Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon

Sonntag, 18. Sept. 2016: Am. 8, 4-7; Lk. 16, 1-13.

„Kommt jetzt wieder eine Schmährede auf unseren redlich erworbenen Wohlstand?“

Das habe ich nicht vor, obwohl die Lesung aus dem Propheten Amos schon dazu anregen könnte. Aber ich möchte von dem positiven Satz ausgehen: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon.

Falsch verstanden wird der Satz unsinnig. Der scheinbar gute Zweck heiligt nicht unsaubere Mittel. Ich kann nicht Menschen ausbeuten oder Außenstände  fälschen (wie der Verwalter im Evangelium), um mit dem so gewonnen Geld etwas Gutes zu tun. Zu mir sagte einmal ein Kollege: Wir kaufen billigen Kaffee um mit dem ersparten Geld Projekte in der Dritten Welt zu unterstützen. Ich meine: Besser als Almosen zu geben ist es, für unsere Konsumgüter einen fairen Preis zu zahlen. Das schärft das Wissen um Produktionsbedingungen und wahrt die Würde der Produzenten.

Was meint Jesus mit dem „ungerechten Mammon“? Ich meine nicht, dass er das Geld oder den Wohlstand schlechthin als ungerecht bezeichnen will. Ein angemessener Wohlstand gilt im Alten Testament Segen Gottes. Mammon aber ist auch im damaligen Sprachgebrauch überwiegend der Überfluss, der auf Kosten der Armen zusammengerafft wird. Der aufgehäuft wird oft mit unrechten Mitteln oder unter raffinierter Ausnutzung der legalen Wege – z.B. der Steuerschlupflöcher. Und Mammon meint das Geld, das wir nicht mehr zu unserem und der Mitmenschen Wohl benutzen,  von dem wir uns vielmehr so in Dienst nehmen lassen, so dass wir fast zwangsweise unfairen Konkurrenzkampf betreiben, bestechen oder mit ruinösen Spekulationen uns und andere gefährden.

Ich meine, Jesus fordert uns auf, das schmutzig gewordene Geld im guten Sinne rein zu waschen, von seinem Fluch zu erlösen, nicht durch Almosen sondern durch Wiedergutmachung. Oft aber lässt sich der Weg, auf dem das Geld schmutzig geworden ist, nicht mehr zurückverfolgen. Es ist im üblen Sinn „gewaschen“ und die Geschädigten lassen sich nicht mehr so einfach entschädigen. Da bleibt nur eins: Das, was für uns Überfluss ist, mit denen zu teilen, die im Elend sind. Das ist die Botschaft Jesu und die Lehre der Kirche von Anfang an, auch wenn manche Kirchenfürsten und viele Christen nicht danach gehandelt haben und zum Teil immer noch dagegen leben.

Fragen Sie mich nicht, wo genau die Grenze des erlaubten Wohlstandes ist. Das ist nun einmal eine Frage des Ermessens und jeder muss sie für sich zu beantworten suchen. Dass aber bei uns und weltweit eine Minderheit die Mehrheit der Güter besitzt und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht – obwohl der Wohlstand insgesamt wächst – das ist nicht recht. Uns aus diesem strukturellen Unrecht zu befreien sind alle gerufen, die daran teilhaben. Das geht nicht nur die Schwerreichen an. Viele von uns können sich fragen, ob es nicht auch ein kleineres Auto usw. sein könnte, ob sie nicht auch öko oder im fairen Handel einkaufen können und ob ein einfacherer Urlaub ohne den CO2-Ausstoß des Fliegens nicht mehr Erholung brächte.

Zur Erlösung des Geldes gehört es auch, dass wir gespendetes Geld sinnvoll einsetzen und nicht verschwenderische oder korrupte Strukturen unterstützen. Manches Almosen kann vielleicht oberflächlich das Gewissen beruhigen, aber es nützt nichts, schadet vielleicht nur, weil es Fehlhaltungen und Abhängigkeiten verstärkt. Einem Alkoholiker gebe ich kein Geld, aber vielleicht meine Zeit. Eine üppige Studienstiftung unterstütze ich nicht, sondern eher den  Unterricht für Kinder. Das heißt, dass wir uns über Spendenziele informieren müssen und besser eine wirklich genau angesehene Einrichtung unterstützen, statt mit der Gießkanne den scheinbaren Segen über das Land auszugießen.

Nochmal: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon. Das heißt nicht, Freunde erkaufen. Erkaufte Freundschaft trägt nicht; das ist klar. Es kann aber heißen, durch den Kontakt mit Ärmeren ganz neue Freunde zu finden. Es kann heißen, dass wir im sozialen Gruppenengagement oder in Netzwerken Freunde im gleichen Engagement finden. Freunde durch den Mammon zu schaffen kann auch heißen, dass ich von meiner Arbeit etwas an einen Arbeitslosen abgebe – im Betrieb oder in der Hauswirtschaft – und  Zeit erkaufe, um für die Familie oder für Freunde ansprechbarer zu sein. Und wer kein Geld hat, aber reich ist an Begabungen oder Beziehungen, kann vielleicht diese einsetzen um anderen zu helfen oder Isolierung zu überwinden.

Dem Geld nicht zu dienen, das geht nicht immer. Aber immer wieder können wir uns auch von ihm so weit lösen, dass wir unser Leben entstressen, dass wir unsere Familien weniger mit unserem Verschleiß belasten und dass wir Zeit gewinnen für Muße und Gemeinschaft und für Stille, um auf Gott in unserem Herzen zu hören. Wir selbst können die Freunde sein, die wir mittels Geld gewinnen, indem wir rücksichtsvoller mit uns umgehen.

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