JESU GROSSER AUFBRUCH - UND WIR

Sonntag, 22. Januar 2017, Jes. 8.2-9,3; Mt. 4.12-23.

JESU GROSSER AUFBRUCH  - UND WIR

Jesus hat sich für den Beginn seines öffentlichen Wirkens keine angenehme  Zeit ausgesucht:  Johannes der Täufer lag im Gefängnis und sollte bald enthauptet werden. Jesus musste nach Galiläa ausweichen. Das einfache Volk war in doppelter Weise unterworfen: Unter die Fremdherrschaft und Ausbeutung der Römer und unter deren Handlanger im eigenen Volk

Auch wir leben in keiner leichten Zeit: Der nationalistische Egoismus wird schon als Staatsdoktrin ausgerufen (Amerika first!) oder zumindest als Programm nicht weniger Parteien. Die Menschen verschiedener Kulturen, Religionen, Völker und Staaten wenden sich angesichts der weltweiten Aufgaben zunehmend gegeneinander, statt gemeinsam zum Wohl aller anzupacken.

Jesus aber sagt seiner Zeit wie der unsrigen: Das Reich Gottes ist da. Ja, es ist da, nicht nur nahe. Im Griechischen steht da ein Perfekt, die Zeitform eines vollendeten Handelns. Wie kann er das sagen?

Er verkündet: Gott wirkt jetzt schon unter euch, indem ich von Gott zu euch spreche, indem ich Unrecht auch „Unrecht“ nenne und Irrwege „Irrwege“ und zugleich eine Möglichkeit der Umkehr und Erneuerung eröffne: Ich sage euch, dass Gott euch wie ein Vater liebt wenn ihr ihn einlasst und auf Gewalt und Egoismus verzichtet. Wie schlimm oder wie glücklich eine Zeit auch ist; Gott steht über allem und er steht an der Seite derer, die ihn aufnehmen.  

Zugleich lebt Jesus Gottes Willen und so heilt er Krankheiten und Leiden, vertreibt Bosheit und Verzweiflung. So beginnt das Reich Gottes in Jesus.

Wo stehen wir bei solchem Geschehen? Ist es nicht oft so, dass wir herumeiern: „Man muss alles verstehen, man muss doch auch zu Kompromissen bereit sein.“ Gilt das auch bei Korruption? Ab welcher Summe? Bei Abtreibung, bei sozialem Unrecht, bei der Zurückweisung von Kriegs- und Elendsflüchtlingen, bei der Vernachlässigung der Jugend und wenn wir unsere Alten abschieben? Und wie oft sagen wir: „Es ist doch nicht alles schlecht – übertreibt mal nicht! Und die Probleme sind nun mal kompliziert und der Einzelne kann sowieso nichts machen.“

Das stimmt alles, aber nur zur Hälfte. Es ist auch wahr, dass wir gerufen sind, uns ein Urteil zu bilden über Recht und Unrecht; dass uns Gottes Wort und Geist befähigen, klarer zu sehen, was den Menschen kaputt macht und was zum Leben führt. Und dass er uns die Kraft gibt, das Gute zu tun, wenn wir nur wollen, auch wenn es nicht beim ersten Versuch gelingt.  

Es stimmt, dass wir nicht die ganze Welt verändern können, aber auch, dass wir etwas machen können und dass uns das aufgetragen ist:

Wir können trösten – nicht mit billigen Wörtern, sondern mit Zuhören und mit konkreter Hilfe. 

Wir können uns um Redlichkeit und Recht bemühen, wo wir gerade stehen und Einfluss haben.                           

Wir können Mitmenschlichkeit leben statt Raffgier und Rückzug ins Private.

Viele von uns können zur Lebenstüchtigkeit der Kinder und Jugendlichen beitragen. – Und wir können vermitteln und Frieden stiften.

Kurz: Wir können den Weg Jesu gehen. Wir können wie Jesus nicht nur vom Glauben zu reden, sondern die Liebe Gottes im Handeln spürbar zu machen.

Und wenn uns die Hoffnung auf Gott hilft, sinnvoll, zufrieden und risikobereit zu leben, dann können wir diese Hoffnung auch mit anderen teilen, wenn es in die Situation passt.

Die ersten Jünger folgten Jesus sofort nach. Sie ließen sich von ihm anstecken. Sie haben sich dem inneren und äußeren Anruf nicht verschlossen und auch nicht der Wahrnehmung, dass ihnen mit Jesus eine neue Hoffnung und Kraft, erlöst zu leben, angeboten wird.

Wir haben die gleiche Chance wie die Jünger. Von außen spricht uns zwar nicht Jesus an, sondern die Kirche oder andere Menschen. Die Kirche ist zwar nicht so eindeutig und heilig wie Jesus, aber auch Jesus kam zunächst im einfachen Gewand des Wanderpredigers und was er sagte, war einerseits kraftvoll, aber nicht immer leicht zu verstehen. Und wir haben den Jüngern voraus, dass wir in eine zweitausendjährige Geschichte schauen können, die nicht nur Last ist, sondern auch voll Zeugnissen gelebter Nachfolge und voll Beispielen von Neubeginn und Auferstehung. 

Lassen wir uns die Liebe Gottes schenken, die uns in manchen Menschen oder in unserem Lebenslauf begegnet. Lassen wir sie uns schenken, um sie in vielfältiger Weise weiterzugeben: Im privaten und im öffentlichen Leben, in der Kirche und in der säkularen Welt. Wenn wir darauf achten, wie  vielfältig Gott gegenwärtig ist, wer kann uns dann hindern, ihn durch uns wirken zu lassen und darin selbst Leben und Zufriedenheit zu finden.

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