Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben

18. Juni 2017, Röm.5, 6-11; Mt. 9,36-10.8.

Umsonst haben wir empfangen. Hm, was ist das eigentlich, was wir umsonst empfangen haben? Paulus sagt: Die Liebe Gottes, in der Gott uns sucht, wenn wir uns auf Irrwegen verlaufen haben oder wenn wir schuldig geworden sind.

Haben Sie von diesem Gratisgeschenk schon einmal etwas gemerkt? Macht Sie die Liebe Gottes so glücklich oder ermutigt Sie diese so sehr, dass es Sie drängt, anderen von dieser Liebe Gottes zu erzählen? Fühlen wir uns den sogenannten Heiden, den Religionslosen, gegenüber um so viel gerechter, um so viel sinnerfüllter, dass es uns drängt, den Nichtchristen oder den Andersgläubigen von unserem Glauben, von der geschenkten Liebe Gottes zu erzählen? Dabei sagt Christus uns allen – nicht nur den Aposteln – wir sollten das Evangelium weitererzählen und wir sollten auch noch Kranke und Verletzte heilen, das Böse vertreiben und sage und schreibe Tote auferwecken.

Sind wir wirklich so viel reicher als die Anderen, dass es egoistisch wäre, unseren Weg nicht mit ihnen zu teilen? Die meisten von Ihnen werden wohl sagen: „Ich weiß nicht.“ Oder: „Wohl kaum.“  Darum fehlt es uns auch an der Dynamik, die die ersten Christen hatten. Die stellten zuerst einen geringeren Prozentsatz der Gesellschaft dar als wir. Aber sie wirkten ansteckend und glaubwürdig und so breitete sich der Glaube an Christus aus. Heute ist davon nicht nichts, aber wenig zu merken. Sind wir Christen heute so müde und abgenutzt, dass wir nichts mehr zu geben und zu sagen haben? Jedenfalls glaube ich nicht, dass die spätantike Welt so viel aufnahmebereiter gewesen wäre, dass dies den Unterschied hinreichend erklärte.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich will keine moralischen Vorwürfe erheben. Es geht mir darum zu verstehen und Sie einzuladen auch verstehen zu wollen, was mit uns Christen los ist, dass wir so unfruchtbar sind.Schon höre ich einige sagen: „Wir können doch nicht so missionieren, wie der IS oder wie die Mormonen und andere religiöse Gemeinschaften, die von Tür zu Tür gehen, um Anhänger zu gewinnen. Dieses Missionieren bringt doch schon genug Leid in die Welt!“ Das können wir wirklich nicht, aber wir müssen uns den Weg, Christi Missionsauftrag umzusetzen, nicht von mehr oder weniger fanatischen Gruppen vorgeben lassen. Wir können es auch so machen, wie es hier im Evangelium heißt: Wir können das Wirken Jesu fortsetzen, d.h. wir können Wunden durch Liebe heilen; wir können das Böse, d.h. Feindschaft, Verleumdung, Korruption, Verschwendung usw. zumindest in unserem Handeln vielleicht auch im Umfeld vertreiben. Wir können erstorbenes Leben in Gemeinden, in Wohnblöcken oder in Familien durch liebevolle Geduld wieder zum Leben wecken. Wir können verzweifelten Menschen durch unsere Begleitung wieder Mut zum Leben machen. Und wenn wir dann gefragt werden oder wenn es dann an der Zeit scheint, dann können wir davon sprechen, was uns dazu die Kraft gibt.

Und nun wieder zurück zu der Frage, warum wir Christen zumindest in Europa so unfruchtbar geworden sind. Ich glaube da unter anderen zwei Ursachen beobachten zu können:

- 1 -    Dass Gott uns liebt, dass er uns umsonst liebt vor aller Leistung und nur weil wir seine Geschöpfe sind,  ist für die Mehrheit der Christen keine Erfahrungstatsache, sondern sie haben es gehört und glauben es mehr oder weniger. Diese Botschaft hat ihr Herz nicht erreicht. Sie spüren nicht, wie sinnlos und leer ihr Leben ohne lebendigen Glauben und ohne selbstlose Liebe ist. Sie spüren es nicht, weil sie ihre Leere mit Arbeit und Konsum zudecken können. Und so merken sie auch nicht, dass wir die befreiende Liebe Gottes brauchen und dass wir sie finden, wenn wir nur demütig darum bitten, wie die vielen, die Jesus um Hilfe angerufen haben. Wer aber nie gespürt hat, wie er von der Liebe Gottes lebt, der hat auch wenig Überzeugendes zu sagen. Bringen wir also unser Herz jenseits von Arbeit und Konsum wenigstens manchmal und immer wieder zur Ruhe, damit wir unsere Bedürftigkeit und Gottes Wirken erspüren können, auch wenn sich unser Stolz dagegen sträubt.

- 2 -  Viele – nicht alle! – sind mit ihrem Glauben sehr allein. Nicht nur in der Gesellschaft, auch in den Kirchen ist der Austausch über den Glauben oft tabu. So aber verkümmert der Glauben, der vom Miteinander der Glaubenden lebt. Jesus hat zur Nachfolge in Gemeinschaft berufen, nicht als Einzelne. Der Glaube und die Fähigkeit über den Glauben zu sprechen wachsen nur in der Gemeinschaft. Sie werden – so bezeugt schon die Apostelgeschichte - nur in Gemeinschaft glaubhaft dargestellt. Unsere oft einzelgängerische Religiosität ist als solche nicht christlich und sie überzeugt nicht. Leben wir also spirituelle und helfende Gemeinschaft und wir werden wieder etwas zu sagen haben.

Paulus sagt uns: Gott liebt euch vor allen guten Werken, einfach weil er Gott ist und weil er seine Geschöpfe liebt. Suchen wir diese Liebe und leben wir gemeinsam aus ihr. Und die Menschen werden uns wieder nach Gott fragen.

 

 

Lesung aus dem Brief es Apostels Paulus an die Römer. (5.6-11)

 

Schwestern und Brüder,

6 Die Liebe zeigt sich darin, dass Christus sein Leben für uns hingegeben hat. Zur rechten Zeit, als wir noch in der Gewalt der Sünde waren, ist er für uns in unserer Gottvergessenheit  gestorben.

7 Nun wird sich kaum jemand finden, der für einen Gerechten stirbt; allenfalls opfert sich jemand für einen Wohltäter.

8 Wie sehr Gott uns liebt, zeigt er uns damit, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren.

9 Wenn wir aber jetzt bei Gott angenommen sind, weil Christus sein Leben für uns gab, dann werden wir durch ihn erst recht aus dem kommenden Gericht gerettet werden.

10 Als wir Gott noch als Feinde gegenüberstanden, hat er uns durch den Tod seines Sohnes mit sich versöhnt. So  werden wir als mit Gott Versöhnte nun erst recht durch das Leben seines Sohnes vor dem Verderben gerettet werden.

11 Darauf hoffen wir – ja noch mehr: Wir preisen uns glücklich, dass Gott  mit uns ist. Das verdanken wir Jesus Christus, unserem Herrn, der uns die Versöhnung mit Gott gebracht hat.

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