Fürchtet euch nicht vor denen, die nur den Leib töten können!

25. Juni 2017, Apg.5.27-42; Mt.10.26-33;

Wenn wir heute in die Welt hineinschauen, dann haben Lesung und Evangelium eine große Aktualität: Papst Franziskus hat noch in diesen Tagen gemeinsam mit den Vereinten Nationen darauf hingewiesen, dass derzeit in weniger als der Hälfte der Staaten Religionsfreiheit herrscht. Deshalb möchte ich im Zusammenhang mit dem heutigen Evangelium an alle erinnern, die wegen ihres Glaubens verfolgt oder unterdrückt werden, seien es Christen, Alewiten oder Muslime. 

Wir können aber diesen Brüdern und Schwestern nur dann ehrlich in die Augen schauen, wenn wir wenigstens versuchen, auch dann zu unserem Glauben zu stehen, wenn wir dessentwegen benachteiligt oder angefeindet werden.  Verglichen mit den wahrhaft Verfolgten können wir hier unseren Glauben in relativer Sicherheit und Ruhe leben. Einige Zivilcourage scheint es allerdings doch zu fordern, wenn man sich offen zu seiner Überzeugung bekennen will. Damit meine ich nicht ein propagandistisches Missionieren, sondern das schlichte Stehen zu unserem Standpunkt, wenn wir danach gefragt werden: Dass es dann nicht heißt: „Entschuldigung ich bin noch katholisch, verstehen Sie, so wegen der Kinder. Und etwas Moral und Anstand sollen sie im Religionsunterricht ja auch mitbekommen.“ Nicht so! Es geht vielmehr darum, klar zu sagen: „Ich bin aus Überzeugung katholisch, nicht „religiös gebunden“, sondern in Freiheit; auch wenn ich meine Schwierigkeiten habe, so bin ich doch grundsätzlich katholisch.“ Sie sagen ja hoffentlich auch nicht: „Verheiratet bin ich schon, aber ich bin ein moderner Mensch und so eng muss man das ja nicht sehen.“

Jesus sagt uns: „Habt keine Angst vor denen, die nur den Leib töten können.“ Dieser Satz atmet Freiheit und hat vielen in Bedrängnis schon geholfen, so wie er leider auch Fanatiker unberechenbar gemacht hat. Wir brauchen schon eine tiefe Überzeugung, dass das leibliche Leben nicht das Wichtigste ist, inklusive das, was so dazu gehört an Besitz, Ansehen, Karriere und Sicherheit. Tatsächlich ducken wir uns doch oft vor allem Nachdenken weg, relativieren unser Bekenntnis – so es denn eines war – sobald wir im Gespräch oder in einer Gruppe angefragt oder angegriffen werden. Ich will darüber gar nicht urteilen. Es liegt erst mal in unserer Natur, sensible Bereiche zu schützen. Es zeigt nur, wie wenig uns der Glaube bis in die Tiefe des spontanen Reagierens prägt. Es ist mehr ein Aufruf, unsere Beziehung zu Gott mehr zu pflegen, damit es uns spontan selbstverständlich wird, dass wir zu unserem Glauben, zu unserer Identität und zu unserem Gott stehen und auch zu unserer Kirche.

Dazu gehört auch, dass wir sittliche Prinzipien nicht verraten, auch wenn wir damit nicht gut ankommen: Ich denke da an Wirtschaftsethik (z.B. faire  Geschäfte, keine Korruption, kein Steuer- oder Versicherungsbetrug). Ich denke  an die Pflicht der Besitzenden, Armen, Schwachen und Flüchtlingen zu helfen. Ich denke an die Achtung vor dem Leben der Menschen vor allem am Anfang und am Ende des Lebens ebenso, wie an die Verlässlichkeit und Ehrlichkeit in menschlichen Beziehungen. Und ich denke in unseren Tagen an den Einsatz für den Frieden und für die internationale Gerechtigkeit, ohne die es keinen Frieden geben kann. In einer Unkultur der ethischen Beliebigkeit und des Rechts des Stärkeren sind wir Christen – zusammen mit anderen -  als Menschen gefragt, die ein klares Profil haben, an denen man sich ebenso orientieren kann, wie sie auch zum Begründen bereit und in der Lage sind.

Viele tun sich schwer zu Ihrem Glauben und ihren ethischen Überzeugungen zu stehen, weil sie sich nicht hinreichend ausdrücken können und weil sie keine Argumente bereit haben. Da ist es eben unsere Verpflichtung, in Hauskreisen, in Seminaren oder unter Freunden zu lernen, über den Glauben zu sprechen. Genauso ist es für den Christen heute unerlässlich, sich als Christ weiterzubilden: Im Internet, in Zeitschriften oder Büchern. Keine Zeit? Ja, was ist wirklich wichtig?

Auf noch eines möchte ich eingehen: Für Christen in einer nichtchristlichen Gesellschaft ist es notwendig, dass Christen miteinander in Kontakt bleiben – in Gemeinden oder in anderen geeigneten Formen des Zusammenschlusses. Auch im Beruf oder in der Politik ist es wichtig, dass Christen voneinander wissen und auch bei unterschiedlichen Meinungen doch füreinander erkennbar sind und einander unterstützen, sei es in der Art des Umgangs miteinander  oder in den grundlegenden ethischen Prinzipien.

Unsere Zeit braucht unseren Beitrag gegen Stumpfsinn, Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit. Sie braucht Solidarisierung aller, die eine Wertegesellschaft wollen. Wir brauchen  die faire Diskussion in Sachfragen bei den Christen wie auch mit allen Idealisten, so unterschiedlich sie sein mögen.  Das ist nicht einfach, aber wir werden damit „unsere Seele retten“, wie Jesus sagt, d.h. unser Leben bleibt sinnvoll und wir können wirkliches Glück und Selbstachtung bewahren. Und wir werden wahre Freunde finden und auch ein wenig unserer bis aufs Blut verfolgten Schwestern und Brüder nicht nur würdig sein. Wir können ihnen auch helfen, indem wir in der Politik immer wieder fordern, die Menschenrechte für wichtiger zu halten als die Geschäfte. Stehen wir also aufrecht und stehen wir zueinander und Gott wird mit uns sein.

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