Glauben heißt Wagnis

13. August 2013, 1. Kön. 19. 8 - 13; Mt.14. 22 - 33

Wie ich bei der Predigtvorbereitung  festgestellt habe, dass heute die eben vorgetragenen Lesungen dran sind, habe ich mich sehr gefreut. Beide Texte bedeuten mir sehr viel. Die Bilder, mit denen hier gesprochen wird, zeigen deutlich, worum es im Glauben geht. Da muss man nicht lange  darüber diskutieren, ob das wirklich so stattgefunden hat oder nicht. Die Aussagen zu unserem Glauben heute bleiben die gleichen.

Da ist erst einmal die Rede davon, dass Jesus seine Jünger zwingt, sich aus dem Showgeschäft zurückzuziehen und in die auf die Tiefe der Seele zu lauschen. Haben Sie das nicht so gehört? Es heißt hier, dass er sie gedrängt hat, ins Boot zu steigen, weg von der Menge der Menschen. Die waren nämlich alle begeistert und wollten, wie Johannes berichtet, Jesus nach der Brotvermehrung  zum König machen. Das aber ist nicht sein Weg. Dem entzieht er sich und geht allein auf den Berg, um in der Nacht zu beten. Und seine Jünger sollen noch in die Nacht hinein über den See fahren. Dabei ist der See, das tiefe Wasser, Sinnbild für Leben und für das Unergründliche, die Tiefe der menschlichen Seele, in der wir Gott begegnen. Darauf sollen sie sich einlassen, nicht auf den Rummel und den äußeren Erfolg. Aber da erfahren sie Gegenwind, da erleben sie äußere und innere Widerstände, wie wir auch. Auch wir bleiben oft lieber oberflächlich - in Arbeit und Wellness versunken - als dass wir in die Stille gehen, um in der Tiefe des Herzens nach dem Weg unseres Lebens zu fragen und Gott zu begegnen. Da sage mal einer, es gäbe in der Bibel keine Entwicklung des Gottesbildes.

Auch dem Elias wird in der Lesung gesagt, dass er Gott nicht im Sturm, Erdbeben und Gewitter findet, nicht wie beim Bundesschluss Gottes mit Israel am Sinai,  nicht wie bei den heidnischen  Göttern üblich, also nicht in den Gewaltaktionen und Machtdemonstrationen, die er gerade hinter sich hatte, sondern in einem leisen Säuseln des Windes, das heißt in großer Aufmerksamkeit, mit der er den leisen Tönen nachlauscht.

Als die Jünger schließlich mitten in der Nacht von Wind und Wellen hin und her geworfen werden, da begegnet ihnen Jesus - und sie halten ihn für ein Gespenst. Sie verhalten sich wie wir, wenn wir in Schwierigkeiten stecken und uns gegen hilfreiche Freunde abkapseln und nur in Ruhe gelassen werden wollen. Er aber überwindet ihren Widerstand und ihre Angst, indem er sie freundlich und persönlich anspricht. Und da will Petrus auch gleich über das Wasser zu ihm gehen, d.h. er will vorne dran sein und sich mit vollem Risiko ganz auf die Nachfolge Jesu einlassen. Aber mit einer momentanen Begeisterung ist das nicht getan. Er muss lernen, seinen Entschluss durch Schwierigkeiten und Widerstände, durch Wind und Wellen durchzuhalten und darf den Kontakt zu Jesus, den Kontakt zu Gott und den Kontakt zur Tiefe der eigenen Seele nicht abreißen lassen. Wenn er sich von Wind und Wellen gefangen nehmen lässt und nicht primär auf das achtet, was ihn trägt und hält, dann säuft er ab. In dem Moment aber, in dem er den Kontakt zu Jesus wieder aufnimmt, ist er gerettet.

Wenn wir wollen, dass uns unser Glauben reicher und lebendiger macht, wenn wir ihn ansteckend an andere weitergeben wollen, etwa an Kinder oder Enkel, dann ist es wichtig, dass es um eine Überzeugung aus der Tiefe des Herzensgeht, eine Überzeugung, die unser Leben reicher und menschlicher macht, engagierter und bunter. Bei schlechtem Wetter nachts auf den See zu fahren und dann noch aus dem Boot zu steigen, das sind Bilder engagierten, risikofreudigen Lebens, das von dem Vertrauen getragen ist, dass Gott mit uns geht, wenn wir auf ihn hören; wohl weniger bei blinder Waghalsigkeit.

Und noch eines kommt dazu: Hier geht es auch um Bilder von Gemeinschaft. Das Boot ist immer auch Bild für die Kirche. Glaube kann auf Dauer und in der Regel nur in einer Gemeinschaft weitergegeben werden, in der er auch gelebt wird. Es ist unsere persönliche Aufgabe und es ist eine Aufgabe der Gemeinden, den Glauben im  Kontakt zu einander zu leben, umso mehr, als wir ihn in dieser hochmobilen Gesellschaft durch dauernden Wechsel leicht verlieren. Beten wir für einander um Mut zum Glauben, Mut der ansteckt.

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