Das Christusbekenntnis ist der feste Grund der Kirche

27. August 2017, Röm.11. 33-36: Mt.16. 13-20

Zwei Themen ruft das heutige Evangelium auf: Die Frage nach unserem Christusbekenntnis: „Für wen haltet ihr mich?“ und die Frage, ob auch für uns  die Kirche auf einem festen Grund ruht. Ich möchte heute vor allem darauf eingehen, wie diese Themen zusammenhängen.

Zunächst ist es das Matthäusevangelium, das diese beiden Themen eng zusammenrückt: Jesus sagt zu Petrus auf dessen Christusbekenntnis hin: „Nicht aus deinem begrenzten menschlichen Verstehen heraus hat du mich als den Messias erkannt, sondern Gott hat dir die Augen für diese Wirklichkeit geöffnet. Und deshalb sage ich dir: Du bist Petrus der Fels und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“

Dieser Zusammenhang gilt nicht nur für Petrus und seine Nachfolger, sondern im weiteren Sinn auch für alle Christen. Das Bestehen der Kirche ist gegründet auf ihr lebendiges Bekenntnis zu Christus. Wenn wir nun das Schrumpfen der Kirche in unserem Land und ihre verschiedenen Krisen anschauen, dann ist es wohl an der Zeit, nicht zuerst nach diesem oder jenem Fehler der Kirche  oder den gesellschaftlichen und politischen Umständen zu fragen, sondern die Grundfrage an uns alle zu stellen: Wie ist es mit unserem Christusbekenntnis? Für wen halten wir ihn? Jesus als vorbildlicher, engagierter Mensch, der auf andere befreiend und heilend wirkte; das ist für viele kein Problem. Aber Christus als Erlöser und Sohn Gottes, das ist für viele fraglich. Dabei geht es wohl nicht so sehr darum, die für unser Verständnis oft fremden Erklärungen von der einen Person in zwei Naturen – der göttlichen und der menschlichen - zu verstehen. Es geht vielmehr darum, uns wie die Jünger der Erfahrung zu öffnen, dass uns in Jesus dem Christus in ganz besonderer Weise Gott begegnet. Ohne dass wir es uns erschöpfend erklären könnten, geht es für uns darum, die Erfahrung mit Jesus als dem Christus, dem Gesandten Gottes,  nicht abzublocken sondern zuzulassen, und das nie ganz Fassbare immer mehr auf uns wirken und in uns eindringen zu lassen.

Doch da fangen die Fragen wieder an: Versuchen wir Christus so zu begegnen? Hören wir im Gebet auf ihn oder teilen wir ihm mit, was wir von ihm wollen?

Und: Wie weit gehen wir, wir als einzelne Christen und wir als Kirche, auf dem Weg Christi, der zum Leben führt? Das kann heißen: Wie steht es mit unserem Verzeihen und mit unserer Bereitschaft zu teilen oder einander zu dienen? Wie ist das mit Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit – öffentlich und privat?

Wie steht es um unser Bemühen um die Einheit der Kirche, um die Jesus beim letzten Abendmahl so inständig gebetet hat? Bemühen wir uns um Einigkeit in unseren Gemeinden und Kirchen, und bemühen wir uns um die Einheit der Kirchen? Oder geht jeder seiner Wege? Selbst Streiten, wenn es nur fair ist, wäre besser!

Zu diesem ehrlichen Bemühen um die Einheit der Kirchen gehört es aber auch zu beachten, dass in der zweiten Hälfte des Evangeliums der vielleicht entscheidende Grund für die Trennung zwischen der katholischen und den Kirchen der Reformation liegt. Sie haben im Evangelium gehört, dass Jesus zu Petrus sagt: „Du bist Petrus der Fels und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen.“ So übersetzt wörtlich die katholische Kirche – übrigens mit Luther und Zwingli. – Einige neuere evangelische Übersetzungen aber bringen hier – entsprechend dem evangelischen Kirchenverständnis: „Und auf den Fels deines (Christus-) Bekenntnisses will ich meine Kirche bzw. meine Gemeinde bauen.“ Das drückt eine für alle Christen unaufgebbare Überzeugung aus: Das Bekenntnis zu Christus ist das Fundament der Kirche. Zum katholischen Glauben gehört es aber auch, dass Jesus wollte, dass seine Kirche eine gottgewollte Struktur hat. Die hat ihre konkrete Form freilich erst im Lauf der Geschichte gefunden und wird sie auch immer wieder neu finden müssen, denn sie ist auch dem Wandel der Zeit unterworfen. Aber die Kirche ist keine strukturlose Gemeinschaft. In ihrem Amt drückt sich auch das Gegenüber von Christus als dem Haupt und der Kirche als dem Leib Christi aus: Konkret wird das bei der Feier des Abendmahls und einiger Sakramente und in der amtlichen Verkündigung. So verstehen wir es auch, wenn im letzten Kapitel des Johannesevangeliums Jesus zu Petrus sagt: „Weide meine Lämmer“ und im Lukasevangelium: „Simon, ich habe gebetet, dass dein Glaube nicht wanke. Du aber stärke dereinst deine Schwestern und Brüder.“

In der konkreten Ausgestaltung  dieser Struktur der Kirche können und müssen wir Christen sicher noch viele Schritte auf einander zugehen. Da ist bei gutem Willen noch viel Luft drin. Darauf verzichten aber können wir als Katholiken nicht. Der Kirche als Ganzer ist verheißen, sie könne nicht untergehen, aber dass sie in ehemals christlichen Ländern und Völkern nahezu verschwinden kann, das sehen wir z.B. an der Türkei und an Nordafrika, wo älteste aber auch in die Jahre gekommene Teilkirchen vom Islam geschluckt wurden, und das werden wir bei uns  noch mehr als bisher erleben, wenn wir unseren Glauben an Christus und die Kirche  nicht überzeugender leben.

Lassen wir uns auf Christus ein und wir werden leben. Und wir werden in der Kirche Geborgenheit und Einheit finden – auch gegen alle Prognosen.

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