Bekenntnis zu Christus dem Gekreuzigten?!

3. September 2017, Jer. 20 7-9; Röm. 12.1-2; Mt. 16.21-27.

Die Klage und das Bekenntnis des Jeremia, die wir als erste Lesung gehört haben, finde ich beeindruckend und realistisch zugleich. Wenn wir das Leben des Jeremia anschauen, dann kann man erahnen, was er meint: Er war ein junger und sensibler Kerl um die Zwanzig als er seine Berufung erfuhr. Er sollte das jüdische Volk zur Umkehr rufen und ihm Gottes Strafe androhen, wenn es nicht Folge leistet. Prompt wurde er immer wieder abgelehnt, eingesperrt, verprügelt und schließlich gegen seinen Willen zur Flucht nach Ägypten gezwungen. Im Rahmen dieser Deportation ist er wohl gestorben. Er hat an Gott gelitten und konnte ihm doch nicht widerstehen.

Jesus sieht vom Anfang der Bergpredigt an die Verfolgung um der Gerechtigkeit willen als Fortsetzung der Verfolgung der Propheten. Er sieht es als den Weg, der ihm bestimmt ist, dass er sein Eintreten für die Wahrheit und die Gerechtigkeit mit Verfolgung, Folter und Kreuzigung bezahlen muss. Und er fordert seine Jünger auf, ihm auf diesem Weg zu folgen. Dabei ist Jesus keiner, der das Leid um seiner selbst willen geliebt hätte. Aber er lehrt uns, dass wir in dieser Welt und unter diesen Menschen mit Ablehnung rechnen müssen, wenn wir für Wahrheit und Gerechtigkeit eintreten.

Als Petrus der Leidensankündigung Christi heftig widerspricht, wird deutlich, dass er bei seinem Bekenntnis „Du bist der Messias“ noch nicht so recht wusste, was er da sagte. Da rechnete er noch mit einem in dieser Welt strahlend siegreichen Messias. Wie schwer es auch Jesus fiel, den Weg des Leidens anzunehmen, zeigt seine schroffe Reaktion gegenüber Petrus. Den Petrus, auf den er seine Kirche bauen will, wie wir letzten Sonntag gehört haben, den jagt er weg und nennt ihn einen Teufel und Versucher, – so jedenfalls die Redaktion oder Zusammenschau des Matthäus.

Paulus, der von sich sagt, dass er das Todesleiden Christi an seinem Leib herumträgt und der den Herrn bittet, dass er ihn von dem Teufel befreien möge, der ihn mit Fäusten schlägt, dieser Paulus schreibt zugleich: „Ich will unter euch nichts kennen als Christus den gekreuzigten.“ ( 1kor.2.2) Paulus hat an seiner Begrenztheit gelitten und daran, wie er verfolgt wurde. Er hat gelitten vor allem an der Ablehnung der Botschaft von Christus durch seine jüdischen Volksgenossen. Aber sehr bald schreibt er auch voll Zuversicht: „Die Kraft Gottes kommt in unserer Schwachheit zur Vollendung.“ Und in der Lesung heute fordert er seine Adressaten, also auch uns, auf, uns Gott als lebendiges Opfer darzubringen.

Wo stehen wir in diesem Drama, in diesem Kreis der vom Weg Jesu Betroffenen? Hier in Leipzig stehen wir jedenfalls nicht vor der Herausforderung uns kreuzigen zu lassen – anders als die Christen im Nahen Osten, in Nigeria oder in China – um nur einige Orte der weltweiten Christen- oder auch Religionsverfolgungen zu nennen. Es geht für uns zunächst um viel Alltäglicheres: Stehen wir zu den Gemobbten in den verschiedenen Lebenskreisen? Sind wir an der Seite der sozial Benachteiligten, der psychisch Kranken und derer, die sich für sie einsetzen? Oder nennen wir die auch sozial Verblendete oder Gutmenschen? Treten wir ein für eine weltweit gerechte Verteilung der Güter und für das Ende des Verschleißes unserer Erde, die allen in angemessener Weise Heimat sein soll? Und wagen wir klar zu sagen, dass wir Christen sind, wenn wir danach gefragt werden? Oder heißt es dann: “Ja, hm, so sicher bin ich ja auch nicht und jeder soll seine Überzeugung haben usw.?“

Wir leben in manchen Milieus, in denen man nicht ohne Kosten klar sagen kann, dass man zu christlichen Geschäftspraktiken und zu christlicher Moral steht  und dass wir uns bei allen Unsicherheiten doch grundlegend zum christlichen Glauben bekennen. Auch wenn man uns dann nicht offen angreift –  auch das gibt es oft genug – so wissen wir doch, dass wir bei solchen Äußerungen tatsächliche oder scheinbare Freunde verlieren und Nachteile erleiden können. Ist uns das unsere innere Überzeugung wert oder zeigt sich in solchen Krisen, dass wir keine wirkliche Überzeugung haben?

Es gibt zum Glück nicht wenige unter uns, denen ihr Glauben und ihre Moral wichtiger sind, als ihre Karriere oder als das Dazugehören in einer Gruppe oder einem Verein oder einer Schulklasse. Aber das ist nicht einfach. Und haben diese Menschen Rückhalt in der Gemeinde, unter den Brüdern und Schwestern im Glauben? Oder hören sie auch unter Christen: „Sei doch vernünftig!“ oder hören sie: „Toll, dass du den Mund aufmachst.“

Wir selbst brauchen ein kluges und bescheidenes Bekenntnis zum Weg Christi, damit wir unter Gleichgesinnten eine seelische Heimat haben und damit wir in den Spiegel schauen können ohne uns zu schämen. Und die Gesellschaft um uns braucht unser undramatisches aber klares Zeugnis, denn sie ist vielfach ohne Orientierung.

Zurück zu Predigten