„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ und „wirkt für das Beste der Stadt, in der ihr lebt.“

22. Oktober 2017, Weltmissionssonntag, Jer. 29.1-14, 1Petr. 3., Mt.22.15-21

Das Jesuswort: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ ist ja hinreichend bekannt. Das ändert nichts daran, dass es in nicht wenigen Situationen schwierig ist, zu unterscheiden, wie weit die Kompetenz des Staates reicht und wann es angebracht ist aus ethischen Gründen, um des Menschen willen oder in Gottes Namen Einspruch zu erheben. Menschenrechte einzufordern ist bei uns durch das Bundesverfassungsgericht oder den Europäischen Gerichtshof ganz gut abgesichert. Aber auch bei uns gibt es in einzelnen Punkten durchaus Differenzen zwischen dem Bundesverfassungsgericht und den Kirchen oder auch Gruppen, die sich für Menschenrechte einsetzen. Ich denke an Fragen des Schutzes des menschlichen Lebens am Ende und am Anfang des Lebens und ich denke zum Beispiel auch, an das Verfassungsrecht auf Schutz der Familie bei Flüchtlingen. Natürlich kann man nicht allen vorschreiben, was nur der Überzeugung einer Gruppe entspricht. Aber allen muss das Recht zugestanden werden, das einzufordern, was Ihnen als Menschenrecht erscheint; sei es für sich oder für andere, vor allem für die, die nicht die hinreichenden Möglichkeiten haben, ihre Rechte einzufordern. Wo da immer wieder die Grenze liegt, dafür müssen Gründe gebracht werden, die jeder gewissenhaft prüft. Gewalttätig dafür einzutreten kann jedenfalls keine Option sein.

 Das möchte ich jetzt in Beziehung setzen zum Sonntag für Weltmission. In der Missionstheologie des christlichen Europas ist man sich mehrheitlich einig – freilich nicht  zu 100% - dass Mission, d.h. Verkündigung des Glaubens an Christus, nicht das Ziel hat, andere für die eigene Kirche einzufangen oder gar mit mehr oder weniger Gewalt oder Druck zu bekehren. Wohl aber geht es darum, - wir haben das in der Lesung aus dem Petrusbrief gehört – dass wir vorbildlich und von sozialem Denken getragen in dieser Gesellschaft leben und bereit sind, über unsere Hoffnung Auskunft zu geben, wenn wir danach gefragt werden. Man kann auch sagen, wie dies die französischen Bischöfe als erste getan haben, wir sollen im gesellschaftlichen Diskurs den Glauben einbringen oder vorschlagen.

Nach diesem Glauben wird man uns aber erst fragen, wenn unser Verhalten in seiner ehrlichen Menschenfreundlichkeit die anderen zu Fragen nach unserer zugrundeliegenden Überzeugung einlädt. Dazu sagt schon Jeremia vor zweieinhalb tausend Jahren -  wir haben davon in der ersten Lesung  gehört -  wir sollten uns dort integrieren, wo wir leben und für das Beste der Stadt oder des Gemeinwesens wirken, in dem und von dem wir leben. Das gilt nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für die Christen in dieser zu  über 80% andersgläubigen Stadt. Wir leben hier zwar in den meisten wichtigen Alltagsfragen einigermaßen integriert, aber in den Fragen der Religion oder nach unserer Hoffnung in Leben und Tod da ziehen wir uns oft zurück. Teils reden wir darüber nur mit Gleichgesinnten, teils auch mit denen kaum. Oft fehlt es uns an Worten oder einschlägigem Wissen. Oder wir reden nur sachlich und allgemein, lassen aber nicht durchblicken oder gar erkennen, was unsere Überzeugung sei.

Jeremia sagt den Juden, sie sollten zum Besten der Stadt wirken, in der sie leben. Was ist nun das Beste unserer Stadt Leipzig? Ich möchte nicht behaupten, das wüsste ich so genau. Aber eine Meinung darf ich  dazu aus meiner christlichen Perspektive  äußern.

Was unser Gemeinwesen braucht, ist das Handeln und Sprechen für soziale Gerechtigkeit, vor allem zu Gunsten der immer noch knapp unter 20%, die an oder unter der Armutsgrenze leben –  auch die Kommune kann das nie ganz leisten –  .

Was unser Gemeinwesen auch braucht, das sind verständliche Angebote zur religiösen Orientierung und praktikabler spiritueller Praxis – selbst wenn diese Bedürfnisse nicht allen bewusst sind und nicht ausdrücklich nachgefragt werden.  Können wir unseren Glauben gemeinverständlich erklären? Haben wir eine nicht nur äußerliche, sondern auch spirituelle Praxis, die geeignet ist zum Weitergeben – und sei es nur in der Familie und unter Freunden?

Was außerdem von Nöten ist, das ist ein aktiver Beitrag zur Wertediskussion. Wenn der Konsum wichtiger wird, als die Menschen, der ihn ermöglichen, wenn unser Wohlstand über dem Leben schutzsuchender Menschen steht, dann ist es Zeit, gemeinsam zu überlegen, in welche Richtung wir gehen wollen. Und wir Christen müssen dabei mitreden.

Und schließlich sollten wir Christen nicht hintanstehen, wenn es in unserem Gemeinwesen darum geht, konkret zu handeln für die Bewahrung der Schöpfung. In Leipzig geschieht da viel. Die Propstei ist – soweit ich sehe - vorbildlich gebaut worden. Und wo steht unser privates Handeln?

 

Wir in der Propstei sind nicht nur eine Pfarrgemeinde unter anderen. Wir sind die Innenstadtpfarrei. Dadurch haben wir Vorteile und Aufgaben. Wir müssen präsent sein und Angebote machen, die nicht unmittelbar der Gemeinde zu Gute kommen. Sie müssen selbstlos sein. Das können die Hauptamtlichen nicht allein leisten. Es braucht das vielfältige Engagement aller. Das ist unser Missionsauftrag in Leipzig. Wenn wir uns darum bemühen, dann wird Gott mit uns sein.

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