Der König der Wahrheit, der blutende König.

26. November 2017, Christkönig, Ez. 34.11 ff, Joh. 18.33b-37.

Am Ende des Kirchenjahres feiert die Kirche, feiern wir Christus als den König der Welt, als den König des Weltalls, als den König der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Erbarmens, als unseren wahren Hirten.

Glauben wir das wirklich, dass er unsere Welt regiert? Vorgestern sind über 300 Muslime mitten in ihrem Freitagsgebet ermordet worden. Im Jemen, in Afrika usw. verhungern die Menschen. Christus regiert die Welt? „Ja, ich bin ein König, und ich bin in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen.“ Damit konnte Pilatus, der Repräsentant der Führungsmacht  im europäisch-vorderasiatischen Raum, nichts anfangen. „Was ist Wahrheit?“ hat er gefragt. Und er bot ihn dem Volk als Alternative zu Barabbas an und schickte ihn dann, als die Masse den Raubmörder vorzog, erst mal zur Geißelung. Wahrheit stand nie hoch im Kurs. Bekennen wir uns zu diesem König?

Paulus sagt im 8. Kapitel des Römerbriefes, dass die Schöpfung und mit ihr auch wir noch stöhnen unter der Last der Sünde und dass die Erlösung an uns noch nicht vollendet ist, sondern dass wir auf Hoffnung hin erlöst sind. Nicht alle von uns bekommen das jeden Tag zu spüren, sondern die einen mehr und die anderen weniger. In anderen Weltgegenden ist das härter. Aber auch für uns stellt sich die Frage, welche Hoffnung uns trägt, spätestens wenn es ans Sterben geht. Für so manche schon viel früher. Glauben wir an den König der Auferstehung, der immer noch von den Malen der Nägel und der offenen Seite gezeichnet ist? Ist es normal für uns, dass Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit in dieser Welt im Gewand der Schwäche daher kommen und nur für die wertvoll sind, die sie üben, dass man sich dafür aber nichts kaufen kann? Glauben wir, dass Christus der König jetzt mit uns im Elendsgewand unterwegs ist, mehr im Elendsgewand als in einer glorreichen Kirche? Und glauben wir, dass er uns jetzt schon im Herzen und in der Gemeinschaft der Liebenden Licht und Leben sein will? Im Glaubensbekenntnis jeden Sonntag bekennen wir, dass er hinabgestiegen ist in das Reich des Todes, auch in die Höllen unserer Welt von den KZ’s und den Bombennächten des letzten Weltkrieges über die Gräuel der

 

Kriege und aller Folterstätten unserer Zeit, bis zu den Schmerzen der schwer Rheumakranken – und dass er auferstanden ist und dass wir auferstehen werden mit ihm und dass er jetzt schon in uns und unter uns ist in der Kraft seines Geistes, überall wo wir versuchen aus der Liebe zu leben?

Zu diesem Christkönigsfest ist mir aufgetragen, auch ein Weniges zu sagen zur Bedeutung des Blutes Christi, das in der Eucharistiefeier neben dem Leib Christi in der Mitte unseres Bekenntnisses und unserer Danksagung steht. Ich soll darauf zu sprechen kommen, weil auf Wunsch des PGR’s ab dem ersten Adventsonntag in der Sonntagabendmesse – ähnlich wie jeden Montag – zur Kommunion denen, die das wollen, auch der Kelch gereicht wird. Zum Praktischen Ablauf wird nächsten Sonntag P. Maaß etwas sagen. Ich trage heute nur einen grundsätzlichen Aspekt bei zur Bedeutung des Kelches mit dem Blut Christi.

Im 10. Kapitel des ersten Korintherbriefes sagt Paulus, der wohl schon vor der Abfassung der Evangelien die Abendmahlstradition niedergeschrieben hat: „Ist der Kelch mit dem wir Dank sagen nicht die Teilhabe am Blut Christ?“ Das Blut Christi ist ja nicht primär sein anatomisches Blut, sondern im Sinn des antiken Sprachgebrauchs sein Leben, seine Hingabe, ja sein Geist. Damit will ich den Sinn dieses Wortes nicht calvinistisch auf reine Symbolik reduzieren. Wenn uns Christus seinen Geist, sein Leben und seine Liebe schenkt, dann schenkt er sich, teilt er sich selbst uns mit. Was aber gerade im Kelch des Herrn betont wird, ist er als der Blutende, als der unser Leid Teilende. Den Kelch des Herrn nehmen heißt, dass wir uns auf seinen Kreuzweg einlassen und nicht fragen, ‚wo bist du jetzt, wo es schwer wird?‘. Es heißt glauben, dass er gerade dann da ist, an unserer Seite und als Gottes Geist und Leben in uns. Das feiern und leben wir und wir drücken es aus, wenn wir den Kelch des Herrn nehmen.

‚Du König auf dem Kreuzesthron‘ beginnt eines unserer Lieder. Die Romanik und ein Teil der Moderne hat Christus am Kreuz als aufrecht stehenden König dargestellt, gekreuzigt und erhöht zugleich. An ihn im täglichen Leben zu glauben, dazu lädt uns das heutige Fest ein.

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