Tröstet, tröstet mein Volk - du mein Volk, lass dich trösten!

10. Dezember 2017, 2. Advent, Is. 40. 1-11; Mk. 1, 1-8.

„Tröstet, tröstet mein Volk, spricht der Herr; sein Frondienst ist vorbei, seine Schuld beglichen. Durch die Wüste bahnt einen Weg für den Herrn!“  Dieses Isaiaswort greift Johannes der Täufer auf: „Bereitet den Weg des Herrn, macht eben seine Pfade.“ An anderen Textstellen der Propheten und auch in der Predigt des Johannes nach dem Matthäusevangelium wird das konkretisiert: Bekehrt euch! Tut kein Unrecht mehr! Teilt den Überfluss mit den Armen!

Vielleicht denken manche von Ihnen: Gerade war noch vom Trösten die Rede und schon wird wieder moralische Leistung eingefordert. Erst vor drei Wochen war zum Welttag der Armen vom Teilen die Rede. Jetzt lass mal gut sein! Wir wollen jetzt erst mal Weihnachten feiern. Dann können wir weitersehen.

Ja, gerade dazu sollen uns die Texte des heutigen Sonntags ermutigen: Tröstet mein Volk, spricht der Herr, sein Frondienst ist beendet. Der Ruf zur Bekehrung beginnt, wie die Bergpredigt auch, mit einer Botschaft von Befreiung und von der liebevollen Zuwendung Gottes. Auch Paulus spricht immer wieder davon: Ihr seid vom Joch der Sünde befreit. Vielleicht denken manche spontan: Aber Sünde macht doch auch Spaß; schmeckt gut, oder gibt ein Gefühl von Überlegenheit, wenn ich den Anderen abgefertigt habe; usw. Sünde befreit vom Zwang immer brav und anständig sein zu müssen und wenn man richtig feiern will, dann muss das schon auch was kosten dürfen – so man hat.

Wann bin ich wirklich frei? Wenn ich mir in verschiedener Hinsicht was leisten kann oder wenn ich das materielle Genießen, das Herrschen, die Ungebundenheit nicht brauche? Gehen Sie doch mal an den Schaufenstern vorbei und murmeln Sie in den ersten 10 Minuten immer wieder vor sich hin: Das kann ich mir leisten und das vielleicht auch noch und mit einem kleinen Kredit auch das noch; und die zweiten 10 Minuten gehen sie weiter oder zurück und murmeln: Das brauch ich nicht, das auch nicht und das zweimal nicht. Wie fühlt sich das jeweils an, wenn Sie sich nichts vormachen?

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ sagt Paulus. Zu welcher Freiheit? Und wie hat er das gemacht? Er schenkt uns seine überschwengliche Liebe. Um unser Leben zu teilen, um bei uns zu sein, gibt er alles auf. Ein Kind, das genug Liebe erfährt, neigt spontan zum Teilen. Und wenn ich glaube, dass Gott einen großzügigen Geber liebt, dann muss ich keine Angst haben, zu kurz zu kommen. Franz von Assisi hat mit dem Herzen verstanden, dass die ganze Schöpfung für ihn da ist. Er hat sie genossen und geliebt. Er musste sie nicht für sich nehmen und verbrauchen. Er war frei und hatte in Armut alles.

Matthäus berichtet auch, dass die Menschen, die zu dem Täufer in die Wüste gekommen waren, fragten: Was sollen wir denn tun? Seine Antwort war zunächst sein Leben: Er lebte sehr bescheiden und er scheute sich nicht, harte, aber notwendige Wahrheiten auszusprechen, auch wenn ihn das alsbald den Kopf kostete. Ihm darin nachzufolgen, ist für unsere Zeit lebensnotwendig, wenn wir nach sozialer weltweiter Gerechtigkeit  und nach der Rettung unseres Planeten suchen. Es bedarf des unerschrockenen Wortes im Dienst der Gerechtigkeit: der Gerechtigkeit in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft und weltweit. Und es bedarf der Bescheidenheit und Verzichtsbereitschaft, um die Erde nicht auszuplündern und um das Motto der Adveniataktion in die Tat umzusetzen:

            FAIRE .  ARBEIT  .  WÜRDE  .  HELFEN

Sie haben das Advenitatplakat vielleicht beachtet und sicher seine Doppeldeutigkeit erfasst: Faire Arbeit hilft nicht nur, sie gibt auch Würde zurück, die durch Knechtsarbeit verloren gehen kann und sie ist in der Regel eine bessere Hilfe als Spenden. Das ist der Grund, warum wir vom 1-Welt-AK hier in der Propstei fair gehandelte Waren verkaufen. Das ist für sich genommen nicht viel. Es ist auch nicht unsere einzige Tätigkeit. Es soll aber erinnern daran, dass wir auch im sonstigen Konsum auf ökologischen und fairen Handel achten, also auf Bio- und Fairetrade-Siegel. Dazu haben wir da draußen auch etwas Infomaterial. Energiesparen schont nicht nur unseren Geldbeutel, sondern auch unseren ausgequetschten Globus und die Völker, die unter dem Klimawandel am meisten leiden. Fortbewegung mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln (und möglichst nicht mit dem Flugzeug) ist nicht nur gesund, sondern auch ein Dienst an der Gemeinschaft. Und wer Geld zum Anlegen hat, der könnte ja auch über Ökobanking und Fairbanking nachdenken oder sich beraten lassen.

Niemand muss mehr tun, als er kann. Wir können feiern und das Leben genießen in Gemeinsamkeit und ohne räuberischen Überfluss, so wie auch Jesus gefeiert hat. Die Kirchgemeinden haben einiges von der Kunst bescheiden zu feiern bewahrt.  Ich wünsche Ihnen, dass Sie persönlich Ihr rechtes Maß finden und den Mut haben, darüber nachzudenken und miteinander zu sprechen – ohne unnötigen Druck und in der Freiheit der Gotteskinder.

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