Gottes Größe beginnt von unten.

7. Januar 2018, Taufe Christi, Jes. 42 1-7; Mk. 2,7-11.

Um die Taufe Christi in ihrer Bedeutung für uns halbwegs zu verstehen, müssen wir die Zeitumstände von damals in den Blick nehmen und wir müssen die Parallelen zu unserer Zeit sehen.

Palästina stand unter römischer Besatzung und es ist bekannt, dass die Römer ihre Provinzen ausgebeutet haben, sodass die Bevölkerung in Armut und Hunger lebte. Dabei kooperierten die jüdische Oberschicht und einige andere Kriegsgewinnler und Kollaborateure mit den römischen Besatzern. Zugleich gab es einige Reformbewegungen. Die Bußpredigt Johannes‘  des Täufers war offensichtlich eine herausragende. Er war kein Spinner sondern überzeugend.

Zu ihm nun kommt Jesus an den Jordan. Aber er sagt nicht zu ihm: Gut gemacht. Jetzt aber beginnt meine Zeit und ich lade dich ein bei mir mitzumachen. Jesus kommt und stellt sich in die Reihe der Bußfertigen, die die Taufe der Umkehr empfangen wollen. Von einem Messias wurde mehrheitlich erwartet, dass er machtvoll auftritt, soziale und politische Reformen durchsetzt und die Römer aus dem Land wirft. Sie wissen das. Das alles tut Jesus nicht und so kam es auch, dass er am Ende seines Lebens ziemlich alleine dastand. Er trat seinen Weg bescheiden an, er kam um zu dienen, wie er es sagte.

Damals und auch heute in zunehmendem Maße muss man mit Imponiergehabe auftreten, wenn man politisch oder gesellschaftlich etwas werden will. Ehrlichkeit, Kenntnisse und Dienst am Volk sind weniger gefragt als vereinfachende Lösungen, billige Versprechen und Einhacken auf Prügelknaben, die sich gerade anbieten. Das gilt, wenn ich recht sehe, zum Teil im Karrierekampf und im Wirtschaftsleben, offensichtlich aber im politischen Leben auf allen Ebenen, wo man zunehmend nicht mit Solidität und Eintreten für die Schwachen, sondern mit Imponiergehabe, Drohungen  und Versprechen Wahlen gewinnt und Verhandlungen führt.

Der Weg Jesu war anders: Er stellt sich in die Reihe der Kleinen und Schwachen, und er übernimmt mit ihnen für die verfahrene Situation Verantwortung. Und in der Bescheidenheit und Demut öffnet sich ihm der Himmel in doppelter Weise: Der Geist Gottes kommt auf ihn herab, d.h. es wird ihm seine Sendung und sein Weg klar. Er geht zwar anschließend noch in die Stille der Wüste und ins Fasten, um diese Grunderfahrung zu verarbeiten. Hier aber werden wir Zeugen seiner grundlegenden Erfahrung, dass Gottes Geist ihn erfüllt und leitet.

Damit eng verbunden ist der zweite Aspekt seiner Gotteserfahrung: Es wird ihm zugesagt: Du bist mein geliebter Sohn, dich habe ich erwählt. Indem du gerade nicht den unheilvollen Weg von Imponiergehabe und Lüge gehst, indem du nicht – wie schon Jesaia sagt – herumschreist und nicht den Schwachen völlig zertrittst, gerade dadurch bist du mein geliebter Sohn, gerade so gehst du auf meinem Weg. Ich nehme dich ganz an, ich bin auf deiner Seite, auch wenn du zu zweifeln beginnst und in dieser Welt zu scheitern scheinst. Besinne dich auf den Geist, der in dir ist und du wirst sehen, dass ich mit dir bin. Jesus tut das auch, indem er sich immer wieder zum Gebet zurückzieht.

Darin liegt der Schwerpunkt der Botschaft für uns: Wenn wir das Spiel von Überlegenheit, großen Worten und Lügen nicht mitmachen; wenn wir denen nicht nachlaufen, die so auftreten, dann stehen wir voraussichtlich nicht auf der Seite der Mehrheit und wir kommen  schwerer nach oben, aber Gott ist mit uns: Er wird uns durch das innere Licht, durch das Gebet und durch das Gespräch mit Gleichgesinnten leiten. Er wird uns erfahren lassen, dass er unser Vater ist und bleibt, auch wenn wir uns im Misserfolg verlassen und entmutigt vorfinden.

Unsere Welt kann Frieden und Gerechtigkeit und ökologisches Überleben nur finden, wenn wir immer wieder neu anfangen einander zu dienen und ehrlich mit einander umzugehen. Das gilt für das Privatleben, für Staat und Gesellschaft, und es gilt für die Kirche. Der Papst wird nicht müde darauf hinzuweisen, wie zerstörerisch für die Kirche Karrierismus und Machtkämpfe sind. Das gilt natürlich nicht nur für den Vatikan, sondern für alle Gliederungen der Kirche bis zu den ehrenamtlichen Gruppen in den Gemeinden, wo es neben vielem Guten viel zu oft nicht um selbstlose Hilfe für andere geht, sondern um die Selbstbestätigung der mitunter Überengagierten. Und wenn wir keine kirchlichen Machtstrukturen wollen, vielmehr gegenseitigen Dienst, dann dürfen wir den kirchlichen Stars auch nicht zu viel zujubeln und müssen die alltägliche Hilf für einander mehr schätzen, als religiöse Events.

Jesus fängt klein an, wehrt irrige messianische Erwartungen und Jubel immer wieder ab, und er stirbt elend, und feiert im Glanz der Liebe Auferstehung zu Gott hin. Das ist auch unser Weg, das ist Heilung für eine vielfach verfahrene Welt, das ist wirkliches Leben, bei dem Gottes Geist mit uns ist.

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