Wenn Jesus heilt, geht es mehr um das Böse, als um die körperliche Krankheit. Seine Kraft dazu kommt von innen. Die aber ist vor allem für die da, die sie besonders brauchen.

2. Februar 2018, 1 Kor. 9. 16-23, Mk. 1. 29-39.

Wenn ich zum Arzt gehe, dann erwarte ich, dass er etwas von seiner Kunst versteht. Wenn er mir einen Dämon austreiben wollte, dann würde ich skeptisch. Es kann natürlich vorkommen, dass ein Allgemeinmediziner seinem Patienten empfiehlt, einen Psychiater aufzusuchen oder einen Psychotherapeuten. Und das kann ein guter Rat sein. Dass er fragt: “Haben sie schon mal daran gedacht, zum Beichten zu gehen oder geistliche Beratung zu suchen“ das kommt wohl seltener vor. Schaden würde es manchmal nicht.

In anderen Kulturen liegen da die Akzente zum Teil anders und das muss nicht immer falsch sein. Bei Jesus jedenfalls liegen sie gründlich anders. Er heilt nicht, weil er Gesundheit für das höchste Gut hält, sondern weil er den Menschen ein leicht wahrnehmbares Zeichen geben will, dass er den Menschen Gottes Erbarmen vermittelt. Sie sollen auch körperlich spüren, dass mit ihm eine neue Zeit des ganzheitlichen Heilens anbricht.

Dabei scheint es, dass Jesus bisweilen mehr daran liegt, die Aufmerksamkeit auf die Sünden der Menschen und deren Überwindung zu richten. Und als Zeichen dafür heilt er die Menschen auch. Das Vertreiben der Dämonen sollten wir dabei wohl nicht so in unsere Zeit übersetzen, dass wir zuerst an Teufel und Gespenster denken. Wir alle kennen genug Dämonen, die ganz natürlich sind: Die Streitsucht, die Verbitterung, die Depression, die Unversöhnlichkeit, die Korruption und den Nationalismus oder die Gleichgültigkeit; usw. Die Vergällen uns das Leben, verursachen neues Leid und führen nicht selten auch zu körperlichen Symptomen oder auch zu Krankheiten. Oder ist Ihnen noch nie eine Laus über die Leber gelaufen? Hat Ihnen nie etwas das Herz oder auch das Rückgrat gebrochen? Ist Ihnen noch nie was an die Nieren gegangen oder nie die Galle übergelaufen? Kennen Sie niemanden, den die Gier in den Ruin getrieben hat?

 

Jesus will unsere Seele heilen und er fragt uns, wie den Blinden von Jericho: Was willst du, dass ich dir tun soll? Krankheit muss nicht immer schlecht sein – sie kann auch zu einer wichtigen Denkpause im Leben führen. Und das alt Werden und Sterben kann und will uns Jesus erst recht nicht ersparen. Das gehört zum Leben dazu, dieses mehr und mehr los Lassen. Worum es Jesus mehr geht ist wohl dies: Dass wir die Chance einer Krankheit und den Ruf des alt Werdens erkennen, und verstehen, was wirklich wichtig und von Dauer ist. Jesus sagt einmal: „Fürchtet nicht die, die nur den Leib töten können. Den (oder das), der Leib und Seele für immer verderben kann, den fürchtet.

Diese Eindeutigkeit und innere Kraft schöpft Jesus, so scheint mir, aus dem, was das heutige Evangelium auch berichtet und an anderen Stellen wiederholt: Sei es am Abend oder in aller Frühe, noch in der Dunkelheit, oder auch in Krisensituationen; Jesus geht immer wieder ins Gebet, betet lange, sucht den Kontakt zur Kraft des Geistes in ihm und die Weisung des Vaters über ihm. Daher die kraftvolle Eindeutigkeit seines Lebens, Redens und Wirkens. Fragen wir nicht zu oft: „Woher soll ich denn wissen, was ich tun soll?“ Beten wir lieber – so lange bis wir Klarheit finden.

Und aus seinem Beten wächst eine weitere Entschiedenheit: Petrus läuft ihm nach und sagt zu ihm: „Wo bist du denn, die Leute suchen dich.“ Sie suchen ihn nicht, weil sie ihm nachfolgen wollen, sondern damit er ihre Kranken heilt, so wie er auch nach der Brotvermehrung sagt: „Ihr sucht mich nur wegen der Brote, nicht wegen des Zeichens von Gott, das ich euch gegeben habe.“ Damals wie heute neigen wir alle dazu, die Herausforderung der Nachfolge Jesu eher nicht oder nur abgeschwächt an uns heranzulassen. Wir bauen lieber aus der Religion und der Gemeinde ein Nest, das uns spürbar etwas bringt: Heimat, gute Gefühle, Trost in Ängsten und Nöten, und Kraft für den Alltag. Alles gut. Glauben aber ruft noch zu mehr: Herausgehen aus den mehr oder weniger heimeligen Orten, aufbrechen - in die anderen „Dörfer“, d.h. zu den Andersgläubigen gehen, dort Wunden heilen, Menschen helfen und so die Botschaft von Gottes Liebe verbreiten – klug und bescheiden.

Christus betete, heilte, predigte und trieb die Dämonen aus, er vertrieb, soweit die Menschen es zuließen, das Böse. Wir werden Christen genannt,  wir nennen uns selbst so. Lasst uns auch so handeln wie Christus! Er geht mit uns.

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