Wenn unser Herz uns anklagt, so ist Gott doch größer als unser Herz und er weiß alles.

29. April 2018, 1 Joh.3.14-28; Joh.15.1-8.

Über das Gleichnis vom Weinstock und seinen Reben haben Sie sicher schon so manche Predigt gehört. Daher möchte ich heute mehr auf die Lesung eingehen und zwar vor allem auf den Satz: “Auch wenn unser Herz uns anklagt, ist Gott doch größer als unser Herz und er weiß alles.“

 

Zu Ostern ist öfter von Vergebung, von neuem Leben und von Neuanfang die Rede. Aber das alles hilft uns nicht, wenn uns ewig ein schlechtes Gewissen belastet.

Ich rede jetzt nicht von dem schlechten Gewissen, das wir gesunder Weise haben, wenn wir Böses tun, das aber auch ein Ende hat, wenn wir unser verkehrtes Verhalten tatsächlich ändern oder dies ernsthaft versuchen. Ich rede von jener ewig nörgelnden, Vorwürfe erhebenden Stimme in uns, der wir es nie recht machen können. Da gibt es Perfektionsansprüche in uns, denen wir nie genügen können, bei denen das, was wir machen, nie reicht. Da gibt es den ewigen inneren Vorwurf, wir seien Egoisten, wenn wir uns mal berechtigterweise abgrenzen, für unser Recht eintreten oder uns ein angemessenes Vergnügen oder ein nette Pause gönnen. Da hilft oft alles wohlüberlegte Gewissensurteil nicht: Der innere Nörgler und Miesmacher bleibt und versalzt uns jede Suppe.


Da kann diese Stelle helfen: Gott weiß, ob wir wohlüberlegt und nicht leichtfertig entschieden haben, ob wir im Rahmen unserer Möglichkeiten oder  halbherzig handeln. Er ist großzügiger als „unser Herz“, was hier wohl den ewigen Kritiker in uns meint. Er kennt unseren guten Willen und unsere Schwächen. Und das gilt auch, wenn unsere Entscheidung objektiv irrig oder nur halbrichtig sein sollte. Unsere Sache ist es dann, mehr an Gottes Großzügigkeit zu denken, als an unsere ewigen Bedenken. Denn wenn wir uns ewig mit ihnen beschäftigen, uns immer wieder neu rechtfertigen, dann gewinnt das unberechtigt schlechte Gewissen erst richtig Macht über uns. Nicht mehr hinzuhören ist beim inneren Nörgler genauso hilfreich wie bei einem nörgelnden Zeitgenossen.

 

Für manche freilich ist Gott, der alles weiß, ein Schrecken. Dann aber ist es gut, mal nachzusehen oder mit einem kompetenten Menschen zu besprechen, ob an unserem schlechten Gewissen nicht doch etwas Berechtigtes dran ist. Das ist nicht immer leicht zu entscheiden. Aber die Lesung gibt uns auch ein Hilfsmittel: Wenn wir an Jesus glauben, dh. an seine Liebe gerade zu den Sündern und Schwachen, und wenn wir uns in der Tat um Liebe bemühen, auch wenn es uns nicht immer gelingt zu verzeihen oder zu helfen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Darauf jedenfalls legt Jesus immer mehr Wert als auf das Einhalten von Vorschriften oder auf formale Korrektheit.

Unser Herz ist oft so kleinlich, weil wir teils falsch erzogen sind, zu ängstlich oder zu zwanghaft, oder weil wir Angst vor Kritik haben. Der noch tiefere Grund kann sein, dass unser Selbstwertgefühl beschädigt ist und dass wir nicht glauben können, dass wir auch als Erwachsene von Gott und manchmal auch von Menschen geliebt werden ohne vorherige Leistung, eben wie normaler Weise ein kleines Kind.  Wenn das fehlt, dann wollen wir auf jeden Fall gut dastehen oder uns gar den Himmel verdienen. Das aber hat mit Moral nichts zu tun, sondern mit unserem Selbstschutz durch Perfektion. Und dieser Perfektionsanspruch kann zum Zwang, zum Kerker werden. Da ist es seelisch schon gesünder, der Liebe Christi zu vertrauen und auf den Geist zu hören der in uns spricht. Der aber spricht ruhig und freundlich, wenn wir nicht gerade ins Böse verbissen sind

 

Im Evangelium sagt Jesus: Wenn ihr mit mir verbunden bleibt, bringt ihr viele Frucht. Der Weinstock muss sich nicht plagen, Frucht zu bringen. Es ist seine Natur. Und so können auch wir gelassen versuchen das Gute zu tun, wenn wir darauf achten, was das uns Gemäße ist, was Gottes Wille für uns ist. Mit einem Rennpferd kann  man nicht pflügen und mit einem Ackergaul kein Springturnier bestreiten. Auch wir müssen nicht mehr und nichts anderes leisten, als wir können. Auch wenn Menschen uns überfordern: Gott weiß wo unsere Fähigkeiten und Grenzen sind.

Wenn wir darauf achten, wozu uns Gott die Kraft gibt, können wir gelassen und ohne schlechtes Gewissen das Unsere tun. Und es wird gut sein. Ich wünsche Ihnen, dass sie so in Freude und guten Gewissens leben können.

 

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