Christi Himmelfahrt - ein Fest der Befreiung

10. Mai 2018, Christi Himmelfahrt

Mit dem Fest Christi Himmelfahrt wird eine ganze Reihe von Aspekten des Osterfestes angesprochen, die wegen der Fülle des Osterfestes nicht alle gleichzeitig bedacht werden können. Aber auch eine Himmelfahrtspredigt kann nur ein paar Aspekte dieses Festes ansprechen, weil es sonst zu viel wird.

So möchte ich heute Christi Himmelfahrt als Fest der Freiheit vorstellen, als Befreiung unter doppelter Hinsicht:

·    Zunächst die Jünger, dann aber wir alle, werden nach der Lehre „freigesprochen“, wie das im Handwerk heißt, sie werden selbständig, zum Teil notgedrungen, zum größeren Teil aber mit Freude, wie das die Apostelgeschichte im weiteren Verlauf darstellt.

· Wir werden in dem Lukasbild der Himmelfahrt sehr handgreiflich darauf hingewiesen, dass diese Erde nicht alles ist, dass wir uns also von der Angst befreien können, wir kämen zu kurz oder wir hätten unser Leben in den Sand gesetzt, wenn wir bis zum Tod nicht alles erreicht haben, was wir angestrebt haben.

Zum Ersten: Nach dem Johannesevangelium sagt Jesus: Wenn ich nicht weggehe, dann kann der Tröster-Geist nicht kommen. Solange der übermächtige Jesus bei ihnen ist, sind sie auf ihn fixiert. Er aber geht; so sollten auch alle Eltern und Alten rechtzeitig die Leitung an die Jüngeren  abgeben. Jetzt sind die Jünger dran. Alle Himmelfahrtserzählungen sagen auch etwas von der Sendung der Jünger, das Evangelium zu verkünden. Die göttlichen Boten  sagen ihnen: Was schaut ihr da auf zum Himmel? Geht nach Jerusalem, mitten in das Leben hinein, wartet dort auf die Erfahrung des Geistes, der euch in eurem Herzen sagen wird, wie es weitergeht und dass ihr das dann auch könnt. Jetzt seid ihr selbständig. Der Weg Jesu und sein Abschied machen deutlich, dass jeder, der auf den Geist in sich hört, - und in jedem Herzen redet Gottes Geist, wenn wir nur geduldig auf ihn hören – dass ein solcher Mensch befreit ist von der Abhängigkeit, von allen, die uns bevormunden wollen, sei es in der Familie, im Betrieb oder in der Kirche. Dieser Geist kann mir auch sagen, dass ich an dieser Stelle, in diesem Fall mich unterordnen soll. Aber ich werde es nicht aus Angst tun, sondern weil ich meinem Urteil, meiner inneren Führung vertraue.

Zum Zweiten:  Ich möchte etwas zu der Befreiung sagen, die uns durch den handgreiflichen Hinweis auf den „Himmel“ geschenkt wird, auf die umfassendere Wirklichkeit, die sich nicht in diesem Erdenleben erschöpft, die vielmehr die Vollendung unseres Lebens bedeutet, die grenzenlos, unerschöpflich ist. Sie alle kennen das doch auch: Wenn für Sie eine Beziehung, ein Berufsziel oder was auch immer, das Einzige ist, was ihrem Leben Sinn und Inhalt gibt, dem gegenüber alles andere nichts mehr gilt, dann sind sie diesem Ziel, dieser Beziehung gegenüber nicht mehr frei. Dann müssen Sie dem Berufsziel alles opfern: Gesundheit, Beziehungen usw. Wenn Ihnen aber etwas nur sehr wichtig ist, sehr am Herzen liegt, wenn Sie aber auch ohne diesen Posten oder Titel, ohne diesen Partner oder Freundeskreis, sinnvoll leben können, dann bleiben sie frei und bleiben fähig, sich in einem Beruf oder einer Beziehung nicht beherrschen zu lassen, auch wenn es mit Schmerzen oder Verlusten an Geld oder Anerkennung verbunden ist.  

Wenn dieses Leben auf der Erde für uns alles ist, wenn der Tod nur noch Aus und Ende bedeutet und keine Hoffnung in sich trägt, dann ist der Tod nur noch ein Schrecken und das Leben ein ewiger Stress um möglichst in diesen 30, 60 oder 90 Lebensjahren zu erreichen, was ich mir vorgestellt habe. Paul Zulehner hat einmal gesagt: „Früher haben die Leute 40 oder 70 Jahre gelebt und dann ewig. Heute leben sie nur 80.“ Wenn ich eine Perspektive über den Tod hinaus habe, dann fliehe ich nicht aus dem Leben, sondern ich  kann mich relativ sorgenfrei auf dieses Leben einlassen und ich kann es gestalten. Die Apostel werden in allen Berichten über die Himmelfahrt Christi auf Ihre Aufgabe hier auf der Erde hingewiesen, eine Aufgabe mit der sie nie ans Ende kommen werden. Die sie das Leben kostet. Aber das muss sie nicht entmutigen. Sie werden auch darauf hingewiesen, dass der Herr wiederkommt und dass er alles, was wir ehrlich angepackt haben, vollenden wird.

Das war für manche wohl ganz schön einseitig. Da lasse ich gerne mit mir verhandeln. Aber der Kernaussage sollten sie sich stellen: Gott schenkt Freiheit, unser Leben hier von innen heraus zu gestalten und Freiheit von der Angst, wir müssten alles hier schon erreichen.

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