Wie feiern wir Johannes den Täufer richtig?

24. Juni 2018, Jes.49.1-6; Lk. 1.57-80; Mt. 3.1-10; Lk. 3.10-20.

Jesus sagt über Johannes, er sei der größte unter allen Menschen. Über ihn hat er die einzige Lobrede gehalten, die er je über einen Menschen gehalten hat. Dabei war sich der Täufer Johannes zwar sicher  dass er im Auftrag Gottes handelte, wusste aber nicht, ob nun Jesus der sei, auf den er hinweisen sollte. Jesus ließ ihm sagen, er solle auf seine Verkündigung und auf sein Heilen achten, aber er holte ihn nicht aus dem Gefängnis des Herodes. Dort wurde er alsbald enthauptet. Auch er musste bitter lernen, dass Jesus nicht der irdisch mächtige Messias ist, der seine Ideen mit Macht durchsetzt und der auch nicht alles auf dieser Welt in Ordnung bringt; dass er eine geistliche Wirklichkeit verkündet. Für diese gewaltfreie geistliche Wirklichkeit ist Jesus gestorben und auch Johannes und die Jünger Jesu durch alle Jahrhunderte.

Wie feiern wir nun den Geburtstag des Täufers richtig? Mit Sonnwendfeier und Johannisfeuer incl. Grillen, Singen und Bier? Kann man auch; nur mit dem asketischen Johannes hat das nichts mehr zu tun.

Ich meine, wir ehren den Johannes mehr, wenn wir seine sehr konkrete Predigt ernst nehmen und schauen, was sie wohl in unserer Zeit bedeutet.

Ich versuche einmal frei zu übertragen: Der führenden Schicht im Volk sagt er: Ihr verlogenes Volk, ihr glaubt wohl, dass ihr ungeschoren davonkommt, nur weil ihr ein ‚Christlich‘ oder ‚Sozial‘ im Parteinamen tragt? Ich sage euch, Gott kann auch aus Steinen und aus allen sozialen Schichten neue Führungskräfte entstehen lassen; und selbst dafür, wie die sein werden, tragt ihr mit Verantwortung. Und ich sage euch: Jeder Baum der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. Der Lauf der Zeiten wird ihn wegfegen und die nächste Generation wird ihn verfluchen.“

Zu den einfachen Leuten, die fragten, was sie tun sollten, sprach Johannes gemäßigter, auch wenn uns scheint, dass das noch viel zu viel verlangt ist: Er spricht vom Teilen, nicht von Almosen: „Gib von deinen zwei Hemden eins dem, der keines hat.“ Usw. Was machen wir da mit unserem Kleiderschrank und den vorzeitig weggeworfenen Klamotten?  „Teilt euer Brot“ und wir gehen zum Abendessen  - vielleicht zu einem, das zu üppig ist oder doch sehr gepflegt, und allein südlich der Sahara hungern 5 Millionen, mehrheitlich Kinder und das Hungerhilfswerk der Vereinten Nationen versucht nahezu vergeblich Hilfe einzuwerben. Und wer in einer zu großen oder luxuriösen Wohnung lebt, soll sie mit einem teilen, der im Zelt lebt ohne das zu wollen, bei Hitze und bei Regen – hier in Europa z.B. auf Lesbos im Flüchtlingslager oder in den Romasiedlungen auf dem Balkan.

Und da höre ich: Aber da kann ich doch nichts machen, das ist doch alles so kompliziert! Ja es ist kompliziert und schwierig. Aber nein, jeder kann etwas machen – ich habe schon oft darüber gesprochen – jeder, je nach seinen privaten und beruflichen Möglichkeiten. Und wem wirklich nichts einfällt, der soll so lange beten bis ihm einfällt wie er aus seiner „bequemen Ohnmacht“, wie es Papst Franziskus nennt, herauskommt. Vielleicht sieht er dann zum ersten Mal eine allein Erziehende  in seiner Platte, der er dort helfen kann, wo diese selbst nicht weiter kommt, oder er entdeckt jetzt erst einen Notstand in der eigenen weiteren Familie.

Wir verteidigen die Wertegemeinschaft des entchristlichten Abendlandes, wie man so sagt, und lassen die Schiffe, die die sogenannten Asyltouristen aus dem Mittelmeer gefischt haben, nach einem Hafen suchen, der sie aufnimmt. „Sollen sie doch nach Libyen zurück, in die Flüchtlingscamps: da werden sie gefoltert, vergewaltigt und ermordet, da können sie an Hunger und Krankheiten sterben. Da vergeht ihnen dann der Wohlstandstourismus. Wir sind selbst schon hinreichend damit beschäftigt, die Reserven der Erde im Übermaß zu verbrauchen. Wir liefern ihnen Waffen für ihre Kriege und den Überschuss aus unserer Landwirtschaft, um den einheimischen Anbau konkurrenzunfähig zu machen. Das muss doch genügen, um die Übervölkerung der Erde zu begrenzen.“ Übertreibe ich? Leider nein.

Und Johannes sagt den – im Vergleich zu den Schwächeren – hoch Gerüsteten: ‚Beraubt und erpresst niemand‘ z.B. durch Marktbedingungen und Landraub in Komplizenschaft mit den einheimischen dünnen Oberschichten. Und kauft nicht bei denen ein, die solches tun. Und dann sagt er noch, wir sollten keine Schmiergelder nehmen oder geben und wir sollten unsere Steuern zahlen, sofern sie nicht offensichtlich Unrecht sind.

Zu politisch? Zu Konkret? Die falschen Konkretisierungen? Kann sein. Aber lesen Sie mal nach, was Papst Franziskus zu diesen Themen sagt. Ja, wer konkret wird, kann sich irren. Aber Johannes den Täufer zu feiern ohne konkret zu werden wie er, das geht nicht; sei es auch aus  Angst jemanden auf die Zehen zu treten oder daneben zu greifen. Zum Schluss aber auch dies: Johannes hat seine Predigt damit begonnen, dass er sagte: Gottes neue Welt ist euch ganz nahe. Ergreifen aber müsst ihr sie schon.

 

 

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