Nicht Dogmen gilt unser Glauben zuerst sondern Jesus Christus dem Herrn.

26. August 2018, Josua 24, 1-2a + 15-18b; Joh 6. 60-69.

Das heutige Evangelium ist nun das Ende der Reihe von Sonntagsevangelien aus dem 6. Kapitel des Johannesevangeliums. Sie begann mit dem Zeichen der Brotvermehrung. Daran anschließend sprach Jesus von sich selbst als dem Brot des Lebens, das vom Himmel gekommen ist. Das Bild des Brotes wird dann noch intensiviert, indem Jesus sagt: „Das Brot, das ich euch  geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.“  Indem Jesus so von seinem  Fleisch und Blut als Nahrung für das ewige Leben spricht, macht er deutlich, dass sein Weg der Weg der Hingabe ist, notfalls bis zum Kreuz. Und sein Fleisch und Blut in der Gestalt des Brotes und Weines zu uns zu nehmen heißt, dass wir ihm unter diesen Zeichen begegnen und dass für uns sein Weg der Weg des Lebens ist. Wenn wir handeln wie er, dann – so haben wir gehört – sind wir eins mit ihm, dann ist er in uns und wir sind in ihm.

Diese Rede Jesu endete in einem Fiasko.  Die  Menschen, die Jesus bis dahin gefolgt waren, sagten: „Diese Rede ist hart; wer kann sie hören?“ Und letzten Endes gingen die meisten weg. Da wendet sich Jesus ausdrücklich an die Zwölf: „Wollt auch ihr gehen?“ Offensichtlich gab es auch Zweifel und Unsicherheit unter den Aposteln.    In den ersten drei Evangelien, den „Synoptikern“ finden wir ähnliche Krisensituationen : Als Jesus z.B. von Leid und Hinrichtung durch die Führung des jüdischen Volkes spricht, will ihn Petrus davon abbringen und Jesus weist ihn mit den überaus scharfen Worten ab: „Weiche von mir, du Satan, du denkst nicht die Gedanken Gottes, sondern so, wie sich das die Menschen zurechtlegen.“ In der Krise nun lässt sich Petrus an dieser Stelle von Gottes Geist leiten und geht mit seinem Bekenntnis voran: »Herr, zu wem sollten wir gehen? Deine Worte bringen das ewige Leben. Wir glauben und wissen, dass du der bist, in dem Gott uns begegnet.“

Petrus sagt nicht: “Wir glauben, dass du uns dein Fleisch zu essen gibst und dass wir so das ewige Leben empfangen.“ Er bittet auch nicht um eine Erklärung, was das alles heißen soll. Er sagt: „Wir glauben, dass du der Heilige Gottes bist.“ Das heißt: Wir glauben, dass du der Messias bist; wir glauben an dich. Es geht also nicht zuerst um einen Lehrsatz des Glaubens, sondern um das volle Vertrauen zu Jesus Christus, das Vertrauen auf Gottes Gegenwart in diesem Menschen Jesus. Den vollen Inhalt der Botschaft Jesu hat er zu diesem Zeitpunkt wohl so wenig wie die anderen Apostel verstanden. Das volle Verständnis dafür fanden sie alle erst durch die Sendung des Heiligen Geistes mit oder nach der Auferstehung Jesu. Deshalb heißt es auch in den Abschiedsreden Jesu nach Johannes: „Der Geist wird euch alles lehren und an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh. 14.26)

Ich gebe hier das Zeugnis der Schrift so breit wieder, weil mindestens zwei Aspekte dieser Thematik heute genauso wichtig sind, wie damals:                     Das eine ist, dass wir nicht alle Glaubenssätze der Kirche unbedingt verstehen müssen. Natürlich ist es gut und wichtig, dass wir uns bemühen, unseren Glauben zu verstehen, um keinen Unsinn zu glauben und um den Glauben angemessen weitergeben zu können. Das intellektuelle Vermögen aber ist nicht allen in gleicher Weise gegeben, um die Sprache zu verstehen, in der einige Dogmen der Kirche verkündet werden. Jesus aber hat gesagt, dass sich Gott gerade Unmündigen und nicht so Intelligenten geoffenbart hat. Offensichtlich ist der Glaube mit dem Herzen das Wichtigere. So kann wohl einer, der, wie die Apostel, auf das Leben und Tun Jesu schaut und ihm deshalb glaubt und nachfolgt, Jesus näher stehen als einer, der alles mit dem Kopf erfasst hat, dessen Nachfolge aber lahm bleibt. Auch hier gilt, was wir im Evangelium gehört haben: „Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts.“ M.a.W.: Nicht das Fleisch der zeitbedingten Formulierungen unserer Dogmen gibt das Leben, sondern der Geist, das, was eigentlich gemeint ist.

Die zweite Aktualität des Misserfolges von Jesu Predigt scheint mir darin zu liegen, dass eine Predigt nicht deshalb schlecht sein muss, weil die Leute wegbleiben. Vielleicht ist eine Predigt nicht wirklich schlecht; der Prediger sagt nur die Wahrheit zu deutlich und zu konkret. Und wenn die Kirchen immer weniger Mitglieder haben, kann das auch ein Zeichen sein, dass sie eindeutiger die Wahrheit des Evangeliums vertreten und nicht allen Leuten nach dem Mund reden. Mit diesem Argument muss man freilich vorsichtig sein, denn darauf berufen sich auch alle, die schlecht predigen und alle Scharfmacher konservativer und progressiver Färbung. Dass aber die Kirche in Verfolgungszeiten mit ihrer kleinen Zahl das Evangelium authentischer gelebt hat als in fetten Zeiten, das bestätigt sich in der Geschichte immer wieder. Wir sollten auch nicht klagen, wenn wir eine kleine Minderheit in der Gesellschaft sind und keine gesellschaftliche Macht mehr haben sondern nur noch die des Geistes.

An Jesus Christus glauben und ihm im Glauben nachfolgen heißt also zu allererst  auf  sein Leben und sein Zeugnis von Gott schauen, ihm vertrauen und nachfolgen. Dann erst ist es auch das nicht unwichtige Bekenntnis zu den Glaubenswahrheiten, die die Identität der von ihm gestifteten Kirche umschreiben. Gebe Gott, dass wir diesen Weg des Herzens und  der persönlichen Nachfolge gehen und auch möglichst den des Verstehens. 

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