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ERLÖSUNG BEWIRKT GOTT IN UNS UND DURCH UNS

23. Dezember 2018, 4. Advent, Jer.23.5-8: Lk 1 39-46

4. Advent4. Advent

Zum 4. Advent habe ich Ihnen ein Bild mitgebracht, das Foto einer Plastik aus unserer Jesuitenwohnung in Lpz. Ich schätze diese Darstellung der Begegnung von Maria und Elisabeth sehr, obwohl ich die kirchliche Kunst um 1900 nicht mag. Aus dieser Zeit stammt aber wohl die Fassung der Figuren; die Holzplastik gehört, so hoffe ich, in die  Spätgotik. Wie auch immer – ich schätze diese Darstellung, wegen der Innigkeit, mit der diese beiden Frauen, die Alte und die Junge, Maria und Elisabeth einander begegnen.

 Die  alte, unfruchtbare und die junge, noch nicht verheiratete Frau sind  schwanger. Die eine bekommt das Kind zu früh und die andere zu spät. Von Elisabeth heißt es im Evangelium, sie habe sich, als sie merkte, dass sie schwanger ist, zurückgezogen. Maria ist erst einmal von zu Hause abgehauen und hat sich zu ihrer Verwandten Elisabeth zurückgezogen, die ihr der Engel als Zeichen dafür benannt hat, dass bei Gott nichts unmöglich ist. Die beiden sind erschrocken, sie ziehen sich zurück, aber sie verkapseln sich nicht. Sie suchen Halt bei einer anderen Frau, von der sie Verständnis erhoffen können. Und beide haben sie in diesem Geschehen eine Botschaft Gottes vernommen. Sie haben die Botschaft - soweit es ihnen möglich war – der anderen zugänglich gemacht. Sie haben sich aneinander vergewissert, sie begegnen einander mit Zärtlichkeit und Vorsicht. So jedenfalls sehe ich die gegenseitige Berührung ihres gesegneten Bauches und ihren offenen Blick. Und so haben sie in all dem nach dem ersten Schrecken nicht vorrangig eine Belastung, sondern eine Quelle gewaltiger Freude gefunden. Vielleicht kennen sie ähnliche Erfahrungen: In äußerlich alltäglichen oder auch schwierigen Ereignissen, wie der Begegnung mit einem Menschen, kann innerlich Großes geschehen, erfüllendes Glück, letztgültiger Sinn. Auch in Krankheit und Tod kann uns Gottes Botschaft begegnen. Die Kindheitsgeschichten der Evangelien sind voll davon, dass in  einem bescheidenen oder elenden äußeren Geschehen Gottes große Liebe Wunderbares bewirkt, und dass wir daran teilhaben können, wenn wir dafür offen sind, offen für den Mitmenschen und offen für Gottes Wirken.

Die Frauen jubeln wie dann auch die Hirten auf dem Feld und die Weisen aus dem Orient. Am vergangenen Sonntag sind wir eingeladen worden:“ Freut euch alle Zeit im Herrn!“ und Papst Franziskus wird nicht müde, die Gläubigen zur Freude an Gott und an dem, was er uns schenkt, aufzurufen. Dabei hat er wirklich Kummer genug. Aber ermahnt, nicht in eventuell bequemer Traurigkeit zu erlahmen. Jesus ist keiner, der alles durch eine rosa Brille sieht. Er preist die Armen, die Verfolgten und die Trauernden als glückliche Menschen. Genau in diesem Kontrast feiert er mit den Sündern und Steuereintreibern, sodass ihn seine Gegner als Fresser und Säufer bezeichnen. Die Dunkelheit des Lebens nicht verdrängen, das Leid nicht schön reden und doch die Freude an Gott zulassen – das ist eine der wichtigen unter den Botschaften, die durch die Weihnachtserzählungen angeboten werden.

 Mitunter ist es nicht so leicht, im Dunkel unserer Bedrängnis, Licht und Freude zu entdecken.  Im Zusammenhang mit meinem 80. hat mir eine für mich junge Frau, Mutter zweier Kinder, nicht kirchlich, diesen Text von einem  Gestalt- und Musiktherapeuten geschickt:

„Tief in unserer Erfahrung ist vielleicht Schmerz, aber tiefer ist ein Wissen und darin ist Süße und Schönheit.“  (Richard Alf, Freiburg)

Im Tiefsten unserer Seele, sagen die Mystiker seit Augustinus immer wieder, ist Gott, da wohnt Licht und Leben. Da liegt oft eine dicke dunkle Schicht davor, eine Wand von aktuellen oder uralten Schmerzen. Auch von denen spricht die Bibel von Anfang an. Die müssen auch nicht unbedingt vergehen, denn sie gehören zu dieser beschädigten Welt. Und trotzdem können wir Licht und Liebe erfahren und geben und darin Gott begegnen, vor allem in der Begegnung mit anderen Menschen.

Besuchen Sie zu oder nach Weihnachten einen Menschen, der nicht so auf ihrem Plan steht aber allein ist. Lassen Sie sich von einem Menschen Liebe oder Versöhnung schenken, dem gegenüber sie sich schon verschlossen haben. Tun sie dabei nichts unehrliches, verheben sie sich nicht, aber schauen Sie mal, was geht. Vielleicht wird kein Dritter davon erfahren, aber Gott nimmt darin Fleisch an, er kommt in unser Leben, wie er in diesen beiden Frauen durch ihre Bereitschaft und Zärtlichkeit in unterschiedlicher Weise Fleisch angenommen hat.

„Freut euch alle Zeit im Herrn, denn der Herr ist euch nahe.“

 

 

 

Zum 4. Advent habe ich Ihnen ein Bild mitgebracht, das Foto einer Plastik aus unserer Jesuitenwohnung in Lpz. Ich schätze diese Darstellung der Begegnung von Maria und Elisabeth sehr, obwohl ich die kirchliche Kunst um 1900 nicht mag. Aus dieser Zeit stammt aber wohl die Fassung der Figuren; die Holzplastik gehört, so hoffe ich, in die  Spätgotik. Wie auch immer – ich schätze diese Darstellung, wegen der Innigkeit, mit der diese beiden Frauen, die Alte und die Junge, Maria und Elisabeth einander begegnen.

 Die  alte, unfruchtbare und die junge, noch nicht verheiratete Frau sind  schwanger. Die eine bekommt das Kind zu früh und die andere zu spät. Von Elisabeth heißt es im Evangelium, sie habe sich, als sie merkte, dass sie schwanger ist, zurückgezogen. Maria ist erst einmal von zu Hause abgehauen und hat sich zu ihrer Verwandten Elisabeth zurückgezogen, die ihr der Engel als Zeichen dafür benannt hat, dass bei Gott nichts unmöglich ist. Die beiden sind erschrocken, sie ziehen sich zurück, aber sie verkapseln sich nicht. Sie suchen Halt bei einer anderen Frau, von der sie Verständnis erhoffen können. Und beide haben sie in diesem Geschehen eine Botschaft Gottes vernommen. Sie haben die Botschaft - soweit es ihnen möglich war – der anderen zugänglich gemacht. Sie haben sich aneinander vergewissert, sie begegnen einander mit Zärtlichkeit und Vorsicht. So jedenfalls sehe ich die gegenseitige Berührung ihres gesegneten Bauches und ihren offenen Blick. Und so haben sie in all dem nach dem ersten Schrecken nicht vorrangig eine Belastung, sondern eine Quelle gewaltiger Freude gefunden. Vielleicht kennen sie ähnliche Erfahrungen: In äußerlich alltäglichen oder auch schwierigen Ereignissen, wie der Begegnung mit einem Menschen, kann innerlich Großes geschehen, erfüllendes Glück, letztgültiger Sinn. Auch in Krankheit und Tod kann uns Gottes Botschaft begegnen. Die Kindheitsgeschichten der Evangelien sind voll davon, dass in  einem bescheidenen oder elenden äußeren Geschehen Gottes große Liebe Wunderbares bewirkt, und dass wir daran teilhaben können, wenn wir dafür offen sind, offen für den Mitmenschen und offen für Gottes Wirken.

Die Frauen jubeln wie dann auch die Hirten auf dem Feld und die Weisen aus dem Orient. Am vergangenen Sonntag sind wir eingeladen worden:“ Freut euch alle Zeit im Herrn!“ und Papst Franziskus wird nicht müde, die Gläubigen zur Freude an Gott und an dem, was er uns schenkt, aufzurufen. Dabei hat er wirklich Kummer genug. Aber ermahnt, nicht in eventuell bequemer Traurigkeit zu erlahmen. Jesus ist keiner, der alles durch eine rosa Brille sieht. Er preist die Armen, die Verfolgten und die Trauernden als glückliche Menschen. Genau in diesem Kontrast feiert er mit den Sündern und Steuereintreibern, sodass ihn seine Gegner als Fresser und Säufer bezeichnen. Die Dunkelheit des Lebens nicht verdrängen, das Leid nicht schön reden und doch die Freude an Gott zulassen – das ist eine der wichtigen unter den Botschaften, die durch die Weihnachtserzählungen angeboten werden.

 Mitunter ist es nicht so leicht, im Dunkel unserer Bedrängnis, Licht und Freude zu entdecken.  Im Zusammenhang mit meinem 80. hat mir eine für mich junge Frau, Mutter zweier Kinder, nicht kirchlich, diesen Text von einem  Gestalt- und Musiktherapeuten geschickt:

„Tief in unserer Erfahrung ist vielleicht Schmerz, aber tiefer ist ein Wissen und darin ist Süße und Schönheit.“  (Richard Alf, Freiburg)

Im Tiefsten unserer Seele, sagen die Mystiker seit Augustinus immer wieder, ist Gott, da wohnt Licht und Leben. Da liegt oft eine dicke dunkle Schicht davor, eine Wand von aktuellen oder uralten Schmerzen. Auch von denen spricht die Bibel von Anfang an. Die müssen auch nicht unbedingt vergehen, denn sie gehören zu dieser beschädigten Welt. Und trotzdem können wir Licht und Liebe erfahren und geben und darin Gott begegnen, vor allem in der Begegnung mit anderen Menschen.

Besuchen Sie zu oder nach Weihnachten einen Menschen, der nicht so auf ihrem Plan steht aber allein ist. Lassen Sie sich von einem Menschen Liebe oder Versöhnung schenken, dem gegenüber sie sich schon verschlossen haben. Tun sie dabei nichts unehrliches, verheben sie sich nicht, aber schauen Sie mal, was geht. Vielleicht wird kein Dritter davon erfahren, aber Gott nimmt darin Fleisch an, er kommt in unser Leben, wie er in diesen beiden Frauen durch ihre Bereitschaft und Zärtlichkeit in unterschiedlicher Weise Fleisch angenommen hat.

„Freut euch alle Zeit im Herrn, denn der Herr ist euch nahe.“

                                                                     

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