Die Freude am Herrn ist unsere Stärke

3. März 2019, 1 Kor. 15. 54 – 58, Lk. 6.39 – 45.

 

Über das Evangelium werde ich heute mal nicht predigen, denn die Worte Jesu am Ende der lukanischen „Feldrede“, der Parallele zur Bergpredigt bei Matthäus, sind schon so bekannt, dass sie geradezu sprichwörtlich geworden sind: Splitter und Balken, der gute Baum und die guten Früchte und das überfließende Herz – das ist gut und wichtig, aber was Neues fiel mir dazu jetzt  nicht ein.

Ich will im Anschluss an die Lesung über die Auferstehung zu sprechen – über die Auferstehung als den letzten Grund aller heiteren Gelassenheit. Dazu hat mich etwas angeregt, das ich im Netz bei Recherchen zu diesem Sonntag gefunden habe: Eine Sammlung von Grabinschriften aus Tirol aus dem 18. und 19. Jahrhundert, also aus einer kirchlich eher konservativen Zeit. Da hab ich nun gelesen:

"Hier ruht Franz Josef Matt,
der sich zu Tod gesoffen hat.
Herr gibt ihm die ewige Ruh
und ein Gläsle Schnaps dazu."

Er wollte etwas erben
und musste sterben
Jetzt kann er nichts mehr erben
Doch die Erben können sterben

Er lebte völlig Lasterfrei
Es war kein Schnaps und Weib dabei
Er ist gesund verstorben
Nur sein Geist der war verdorben

Hier ruht der frömmste Mann im Ort
Der Herr trug ihn persönlich fort
Heilig braucht er nicht mehr werden
Denn seinen großen Heiligenschein
Den trug er schon auf Erden.

Hier ruht die alte Rosalind
Die Alimente für ihr Kind
kam monatlich am Konto an
ausbezahlt vom Vatikan.

Davon gibt es noch viel mehr im Netz unter Museumsfriedhof oder Grabinschriften Kramsach – Tirol.  Ich habe Ihnen diese kleine Auswahl vorgelesen, weil sie Zeugnis davon gibt, wie der Tod nicht nur zur Ehrlichkeit führen kann (ganz anders als viele Nachrufe bei uns), sondern auch zur Lockerheit und Gelassenheit – nicht nur dem Tod gegenüber, sondern auch in sonstigen Unbilden des Lebens.

 Der Sammler dieser Grabinschriften sagt:  "Hier auf dem Friedhof liegen sowieso keine Toten begraben." Ja, die hier liegen, leben in Gott. In einem Streitgespräch über die Auferstehung sagt Jesus einmal: „Ist denn Gott ein Gott der Toten oder der Lebendigen?“ Glauben Sie, dass im Tod nicht nur Schluss ist, sondern dass da das Leben erst aufbricht? Wie eine Frühlingsblume oder ein Vulkan? Paulus sagt in diesem 15. Kapitel des ersten Korintherbriefs sinngemäß: „Wenn wir nicht auferstehen, dann kannst du unseren ganzen christlichen Glauben vergessen.“ (V.13+14)

Da sagen mir Leute: „Aber die Auferstehung kann man sich nicht vorstellen.“ und „Es ist noch keiner zurückgekommen.“ Und wenn einer zurückkäme, könnte er uns nichts erzählen, was wir uns vorstellen können,  denn im Tod hören Raum und Zeit auf. Damit hören auch unsere Vorstellungsmöglichkeiten auf. Schon innerweltlich leben wir selbstverständlich mit Dingen, die wir nicht sehen, uns nicht vorstellen können; höchstens errechnen können wir sie: z.b. Elementarteilchen oder dunkle Materie. Und noch näher an der Auferstehung dran: Haben Sie schon mal Treue gesehen oder Ihr „wahres Selbst“ oder den Geist Gottes, der in uns wohnt? Alles nichts? Dann sind Sie ein armer Mensch und es wird höchste Zeit, dass Sie sich in die Tiefe Ihrer Seele versenken, immer wieder, in der Stille und im Gebet oder in der Natur, damit sie eine Ahnung bekommen von unseren, von Ihren persönlichen unendlichen Sehnsüchten und Dimensionen.

Und soweit Sie in dieser inneren Welt, die zugleich überirdisch ist, Heimat finden, wird Ihnen langsam klarer, dass im Tod nicht alles aus sein kann: Die Liebe stirbt nicht und unsere unendlich offene Seele ist ebenso unsterblich.

Wenn sie diesen Kontakt zu Ihrer eigenen Tiefe finden, dann brauchen sie Spaß und Unterhaltung nicht, um Tod, Elend, Ärger usw. zu vergessen, sondern sie können lustig sein in all dem Mist, in dem wir leben; vielleicht ist es ein guter Dünger. Denn „Tod, wo ist dein Sieg? Tod wo sind deine Waffen?....Gott sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat, durch Christus.“

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